Propst will Kirche in Bochum-Stahlhausen zum Altenheim umbauen

Propst Michael Ludwig: Um die Kirche St. Antonius in Stahlhausen zu retten, will er aus ihr ein Altenheim machen. Foto: Karl Gatzmanga
Propst Michael Ludwig: Um die Kirche St. Antonius in Stahlhausen zu retten, will er aus ihr ein Altenheim machen. Foto: Karl Gatzmanga
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Um die Kirche St. Antonius in Stahlhausen zu retten, will Propst Michael Ludwig dort ein Altenheim mit 80 Zimmern hineinbauen lassen. „Wir sind schon sehr weit“, sagte er im Gespräch mit der WAZ.

Bochum. „Ist ja nicht fromm, das Tagesgeschäft“, seufzt Propst Michael Ludwig (53) mit einem schnellen Lächeln und streicht sich über die hohe Stirn. Auch jetzt, mitten in den Vorbereitungen zu den Ostertagen, entgeht er nicht den Zwängen des modernen Kirchen-Managements. Gleich trifft er eine Delegation vor der St. Antonius-Kirche in Stahlhausen.

Weiß Gott nicht zum Gebet: Es geht um viel Geld. Der Propst, auch Chef-Pfarrer der Großpfarrei St. Peter und Paul, hat nämlich „eine ganz verrückte Idee“, wie er sagt: Er will diese Kirche beileibe nicht abreißen lassen, wie manche schon fürchteten, sondern ein Altenheim hineinbauen, mit 80 Zimmern und allem Drum und Dran.

Grundstück längst verkauft

Dann könnten die Bewohner des geräumten Altenstifts St. Antonius dort einziehen. Zwischenzeitlich sind sie in das Ex-Gewerkschaftshaus an der Humboldtstraße eingezogen. Eine Umzugs-Rochade, wie es zuvor schon die Bewohner des Altenheims Marienstift mitgemacht haben.

Natürlich werde der Umbau der St. Antonius-Kirche zum Altenheim teurer, „als wenn man das auf der grünen Wiese baut“. Doch das Projekt reizt den umtriebigen Propst, der viele Baustellen hat. Nicht zuletzt die entwidmete Marienkirche an der Viktoriastraße, wo das Musikzentrum andocken soll. Das Grundstück hat die Kirche längst verkauft, der Vertrag ist knapp zwei Jahre alt. Käufer ist die Stadt - nur gezahlt hat sie die knappe Million Euro noch nicht.

Umstrukturierung zu Großpfarreien

Die Folgen der großen vom Ruhrbischof verordneten Umstrukturierung zu Großpfarreien samt Personalabbau haben noch frische Narben, manches ist noch nicht ausgestanden. Der Propst als Jobkiller? - „Alles wurde sozialverträglich gelöst, mit Verrentung, Auflösungs- und Überleitungsverträgen.“

Im Klartext: „In der Großpfarrei St. Peter und Paul hatten wir 47 Personen bei uns. Zur Zeit sind wir bei 20 und runter sollen wir auf 10.“ Doch der Teufel steckt auch bei der Kirche im Detail: „Ich soll runter auf zwei Organisten, hab’ aber noch 5. Da habe ich noch ein paar Jahre dran zu knacken.“

Stiftungsvorsitzender von vier Krankenhäusern

Was ihn freut und dabei gießt er Kaffee nach, den er von einer Studienreise aus Äthiopien mitgebracht hatte: „Einen Großteil der Reinigungskräfte habe ich ins Krankenhaus oder ins Altenheim vermittelt.“

Er hat so seine Beziehungen, die aus seiner Ämterfülle stammen: Er ist Stiftungsvorsitzender von vier Krankenhäusern und drei katholischen Altenheimen, sitzt außerdem im Kuratorium des St.Vinzenz-Kinderheims. „Ich bin für 3500 Mitarbeiter verantwortlich“, sagt er nebenbei.

"U-30-Kirche"

Er macht das nicht ungern. Seine blauen Augen leuchten, wenn er sagt; „Wir sind das einzige katholische Klinikum in Deutschland. Wir können also Zeichen setzen.“ Dass dort die Aidsforschung etabliert wurde, „war eine Provokation, aber auch eine Herausforderung.“ Denn: „Wenn die Bundesliga spielen wollen, müssen sie Bundesliga spielen“.

Als der sexuelle Missbrauch durch katholische Geistliche ruchbar wurde, blieb auch Bochum nicht von Kirchenaustritten verschont. Propst Ludwig nickt: „Wir hatten eine größere Austrittszahl. Aber die Frage ist jetzt: Wie kann ich die Leute ansprechen, die Wackelkandidaten sind.“ Das versucht er etwa mit dem Projekt „U-30-Kirche“ , wo Diskussionen mit jungen Leuten über Themen laufen, „die angesagt sind“. Sexualität und Kirche war eins davon.

 
 

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