Projekt aus Bochum will Flüchtlingen eine Stimme geben

Ismail Küpeli, koordiniert das Projekt "Re: Speech" der Medzinischen Flüchtlingshilfe Bochum.
Ismail Küpeli, koordiniert das Projekt "Re: Speech" der Medzinischen Flüchtlingshilfe Bochum.
Foto: Dietmar Wäsche
Die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum will mit einem Medienprojekt Geflüchteten die Möglichkeit geben, ihre Sicht der Dinge zu präsentieren.

Bochum.. Geflüchteten Menschen eine Plattform geben, damit sie ihre Sicht der Dinge mitteilen können in den vielen Debatten, in denen über, aber selten mit Flüchtlingen gesprochen wird: Das hat sich die Medizinische Flüchtlingshilfe (MFH) zum Ziel gesetzt, als sie neulich das zweisprachige (arabisch/deutsch) Medienprojekt „Re: Speech“ ins Leben gerufen hat.

Zunächst erst mal bis zum Jahresende wollen die Flüchtlinge vorwiegend online, aber auch in einer achtseitigen gedruckten Ausgabe über Fluchtursachen, Fluchtrouten und das Leben in Deutschland berichten. Bisher haben sich acht Flüchtlinge aus dem Ruhrgebiet und weitere zehn aus anderen deutschen Städten zu einer Redaktion zusammengefunden. „Weitere Interessierte sind herzlich eingeladen“, erklärt Ismail Küpeli, Koordinator des Projekts.

Journalistische Erfahrung ist dabei keineswegs Grundvoraussetzung für die Teilnahme. „In der Gruppe sind einige, die in ihrer Heimat journalistisch aktiv waren und andere, die noch keine Berührungspunkte damit hatten“, so Küpeli. Deshalb veranstaltet die MFH auch Grundlagenseminare, bei denen etwa verschiedene Textformen (Reportage, Nachricht, Interview etc.) erläutert werden.

Flüchtlingen eine Stimme geben

„Im Kern geht es bei dem Projekt aber darum, dass die Geflüchteten eine Stimme bekommen. Sie sollen am Diskurs und der Gesellschaft partizipieren können, die Perspektive der Betroffenen einbringen. Das ist wichtig für alle Debatten, die wir in diesem Zusammenhang in Bochum, in Deutschland und Europa führen“, erklärt Ismail Küpeli. Tareg Alaows gibt ihm Recht. Der 27-jährige Syrer ist vor etwa einem Jahr nach Bochum gekommen. Sein Weg über die Balkanroute war beschwerlich, wie für so viele andere Menschen auch, die in Europa Schutz suchen.

Seit dem 4. Juli 2015 lebt Alaows in der Turnhalle an der Max-Greve-Straße. „Ich bekomme mit, wie Sozialarbeiter und andere über Dinge reden, die uns betreffen, wie sie Entscheidungen treffen, die uns betreffen, aber wir werden nur selten in die Gespräche eingebunden“, so der 27-Jährige, der in seiner Heimat Jura studierte, ehe er floh, weil die Assad-Armee ihn einziehen wollte. Alaows hofft, dass er und seine Mitstreiter mit dem Medienprojekt auch für mehr Dialog sensibilisieren können.

Umgekehrt will die Redaktion aber auch einen Service für Flüchtlinge anbieten, Gesetze und Regeln übersetzen und erläutern. „Ich freue mich jedenfalls auf meine neue journalistische Aufgabe“, sagt Tareq Alaows.

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