Prinzen-Rolle

Jürgen Stahl

Bochum.  Die „Schlappen Lappen“ haben gut lachen: Mit Jürgen I. und Anke I. stellt der Bochumer Karnevalsverein erstmals das Stadtprinzenpaar.

„Ach wär’ ich nur ein einzig’ Mal...“ Hundertfach mitgeträllert, erlangt der jecke Gassenhauer für Jürgen Neumann alsbald kunterbunte Realität. Der Bochumer wird als Jürgen I. „ein schmucker Prinz im Karneval“. An seiner Seite: die liebreizende Anke I.

Mag sein, dass sich bei den „Schlappen Lappen“ mancher schlapp gelacht hat, nachdem Jürgen Neumann endlich den Mut fasste, seinen Wunsch in Worte zu kleiden. „Es war im Februar, mitten in der Session. Bei einer Sitzung flüsterte mir Jürgen plötzlich zu: ,Ich würde auch gerne Prinz werden’“, erzählt Anja Büschleb, Vorsitzende des Karnevalvereins „Schlappe Lappen“.

Anfangs überwog die Skepsis. Eine Prinzen-Rolle kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld. Kann Jürgen Neumann, Werkstoffprüfer beim Metallbaubetrieb Greifenberg und (O-Ton) „einfacher Junge aus dem Volk“, das leisten?

Kann er. Will er.

„Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Mit dem Job krieg’ ich’s geregelt; das Finanzielle hält sich in Grenzen. Immerhin hilft mir der Verein.“

Der ließ ihn am Samstag kräftig hochleben. Zum Sessionsauftakt verwandelten die „Schlappen Lappen“ und ihre Besucher den Saal des Gasthauses Goeke mitten im tristen Herbst in ein farbenprächtiges Tollhaus. Trotz dicker Schminke stand den Aktiven der Stolz ins Gesicht geschrieben: Zwölf Jahre nach der Gründung stellt der Klub erstmals das Stadtprinzenpaar.

Auch die Prinzessin stammt aus den Reihen der „Lappen“. „Seit vielen Jahren bin ich begeisterte Karnevalistin. Ich freue mich riesig, künftig nicht nur vor, sondern auf der Bühne zu stehen und zu sehen, wie mich die Menschen anlächeln. Das wird das Schönste!“, schwärmt die 34-jährige Anke Friedrich, die als Sparkassenangestellte in der Geschäftsstelle Altenbochum an der Wittener Straße arbeitet.

„Hurra, es ist vollbracht: Wir beiden sind nun an der Macht“, tönte Jürgen I. in seiner ersten Ansprache im Prinzenornat mit Kappe und Federschmuck. Zwei Anliegen sind ihm und seiner Begleiterin wichtig: Während der Session werden Anstecker zu-gunsten der Integrativen Kindergemeinschaft Bochum verkauft. Das Thema Integration sei auch eng mit dem Motto „Kunterbunt ins Narrenjahr“ verknüpft. „Wir wollen zeigen, dass wir die Vielfalt der Menschen lieben und respektieren“, betonte Anke I., die in ihrer Jungfernrede deutlich souveräner wirkte als ihr nervöser Prinzgemahl. „Manches“, grinste „Lappen“-Chefin Anja Büschleb, „können wir Frauen eben besser.“

Nachdem Bochum 2009 von einem Solo-Prinzen (Thomas Bausen, Kolpingsfamilie Linden) regiert wurde, schwingt ab dem Elften im Elften wieder ein Paar das Zepter. Bislang stehen 30 Auftritte auf dem Plan. „Aber das“, strahlte Jürgen I., „werden sicher noch viel mehr.“ Schlapp machen gilt nicht. Auch und erst recht nicht als „Schlapper Lappen“.

Nach der Proklamation durch ihren Heimatverein werden Jürgen I. und Anke I. am kommenden Donnerstag formell zum Stadtprinzenpaar gekürt. Standesgemäß am Elften im Elften lädt der Festausschuss Bochumer Karneval dazu um 19.33 Uhr in die Gaststätte „Game“ am Willy-Brandt-Platz ein. Neben der Proklamation gibt’s ein buntes Programm mit Fanfarenzug, Gesang, Tanz und Büttenreden. Der Eintritt ist frei.

Derweil kündigt der Festausschuss den Bruch mit einer jahrelangen Tradition an. „Wir feiern unseren großen Karnevalsball nicht mehr zum Start der Session im November. Zu dieser Jahreszeit haben die meisten Bürger mit Karneval noch wenig am Hut“, erklärt Präsident Bernd Lohof. Stattdessen hauen die Narren erst am Freitag, 28. Januar, auf die Pauke. Im RuhrCongress steigt dann ein jecker Abend u.a. mit der Kölner Band „Die Rabaue“ (bekannt durch ihr „Insellied“), dem Comedian Jens Neutag, der 80-köpfigen Garde „Colonia Ahoi“, Schlagersänger Michael Kern und Rock’n’Roller Lars Vegas.

Der Eintritt kostet 19 Euro. Der Vorverkauf hat begonnen.