Polnische Weltbürger-Kunst auf Zeche Hannover

Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Bochum.. Im Bochumer Industriemuseum Zeche Hannover zeigte der deutsch-polnische Kulturverein „Kosmopolen“ am Wochenende polnische Kultur im Ruhrgebiet.

Der Kosmopolitismus ist die politische Denkweise des Weltbürgers. Er kennt keine Unterschiede zwischen den Menschen verschiedener Nationen, er ist überall auf der Welt zuhause. Die „Kosmopolen“, die Mitglieder des gleichnamigen deutsch-polnischen Kulturvereins aus Bochum, präsentierten am Wochenende diese Weltanschauung im Spannungsfeld zwischen Migration und Heimatgefühl in der Fremde.

In der Zeche Hannover stellten zwölf Künstlerinnen und Künstler unter dem Titel „Ein Mehr sehen“ zum Polen-NRW-Jahr 2011 ihre Zeichnungen, Fotografien, Collagen und Installationen aus, die diese doppelte Perspektive vermitteln.

„Wir legen den Fokus auf die Frage, woher wir eigentlich kommen“, erläuterte Emanuela Danielewicz, die Kuratorin der Ausstellung und Vorsitzende des Kulturvereines. „Die Aktion ,Ein Mehr sehen’ ist eine sehr feine und persönliche Auseinandersetzung mit dieser Frage durch die Kunst.“

Die Wehmut eines Bildes zeigt die Unbeschwertheit der Kindheit

Der scheinbare Widerspruch zwischen dem eigenen Selbstverständnis als Weltbürger und der Suche nach einer Identität wurde durch die Hinwendung zu einem unbestimmten „Früher“ aufgelöst. Die Werke zeigen zwar Sehnsucht, aber nicht nach der Heimat als nationalstaatliches Gebilde, sondern nach dem, was sie ausmacht: die Menschen und das Leben. Deutlich wird dies beispielsweise in einem großformatigen Foto des Grafikdesigners und Malers Martin Janczek, das einen Jungen mit seinem Haustier, einem Hasen, zeigt. Es spricht eine Wehmut aus diesem Bild, die die Unbeschwertheit der Kindheit abbildet, ganz gleichgültig, wo diese stattgefunden hat.

Auch Ania Hardukiewicz begibt sich mit ihren Bildern in das Früher. Die Acryl-auf-Leinwand-Zeichnung „Erinnerungsstück“ versetzt den Betrachter durch seine weichen Linien in einen Modus der meditativen Erinnerung. Das Motiv, eine Frau beim Nachdenken, verschwindet schon fast in nebeliger Ferne.

Lesungen und Konzerte

Neben der Ausstellung gehörten Lesungen und Konzerte zum stimmigen Programm von „Ein Mehr sehen“. Am Samstagabend nahm die gebürtige Polin Kasia Bortnik das Publikum mit ihrer englisch- und polnischsprachigen Musik ein, der eine ganz besondere Magie innewohnt. Bortnik und ihre Mitmusiker Benjamin Garcia (Bass) und Johann May (Gitarre) hypnotisierten mit einem Klang irgendwo zwischen progressivem Jazz und zartem Pop einer Norah Jones. Stellenweise schien das Trio nur für sich zu spielen, so reduziert, dass man sie in einer Blase vermutete. Der Effekt war umso größer, als die drei diese plötzlich platzen ließen.

Die Autorin und Lektorin Ksymena Woka beendete mit der Lesung ihrer Kurzgeschichte „Ka – Eine Integration“ den ersten Tag von „Ein Mehr sehen“. Sie bot eine gelungene Performance, die von Robert Kusiolek auf dem Akkordeon atmosphärisch untermalt wurde.

„Kultur schafft die Grundlage, die unsere Gesellschaft zusammenhält“

Dr. Angelica Schwall-Düren, nordrhein-westfälische Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, sagte bei ihrer Eröffnung der Ausstellung: „Kultur schafft die Grundlage, die unsere Gesellschaft zusammenhält.“ Sie sei dazu da, um „Brücken zu bauen“. Dieses Potenzial der Kunst war am Wochenende deutlich greifbar. Sie ist der materialisierte Kosmopolitismus, der bei Produzenten und Rezipienten keine Unterschiede kennt.

Der Künstler- und Kulturverein „Kosmopolen“ wurde im Jahr 2008 gegründet. Er hat sein Büro an der Klarastraße 6 und organisiert einmalige interkulturelle Aktionen mit dem Fokus auf polnische Sprache und Kunst. Weitere Informationen im Internet auf www.kosmopolen.de.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen