Polizei spritzt mit High-Tech-Wasserwerfer

Bernd Kiesewetter
Spitzt aus allen Rohren: Der neue Wasserwerfer der Polizei auf der Dienstgelände am Gersteinring.
Spitzt aus allen Rohren: Der neue Wasserwerfer der Polizei auf der Dienstgelände am Gersteinring.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Die Polizei in Bochum hat einen neuen Wasserwerfer im Fuhrpark, den WaWe 10. Der 408 PS starke Riese auf sechs Rädern soll bei Demos und Fußballspielen eingesetzt werden.

Bochum. Wenn „WaWe 10“ so richtig aufdreht, bleibt kein Hemd in der Nähe trocken. „WaWe 10“ ist der neue Wasserwerfer der Bochumer Polizei. „Er macht mit hohem Druck nass“, sagt der Kommandant des Fahrzeugs, Polizeihauptkommissar Peter Auer.

Er hat das Sagen in dem rund 31 Tonnen schweren Gerät, das der Bund für rund eine Million Euro vom österreichischen Hersteller Rosenbauer gekauft hat und das nicht nur voller Wasser steckt, sondern voller moderner Technik. Vor allem bei Demos und Fußballspielen mit hohem Gefahrenpotenzial soll er, wenn nötig, seine mächtigen Kräfte zum Einsatz bringen. Jedenfalls dann, wenn rein taktische Einsatzmaßnahmen nicht ausreichen.

Der Wasserwerfer wirkt schon auf den ersten Blick einschüchternd: bullig, riesig, kraftvoll. Das soll auch so sein, denn allein schon die Präsenz dieses Riesen wirkt auf gewaltbereite Leute abschreckend. „Das beeindruckt auf jeden Fall“, sagt Kommandant Auer. Sollte das aber wider Erwarten doch nicht der Fall sein, kann „WaWe 10“ auch richtig zulangen: Aus drei großen Wasserrohren vorn und hinten spritzt dieser monströse Spezialwagen Fontänen bis zu 60 Meter weit.

High Tech steuert sowohl die Entfernung (mit Lasern) als auch die Wucht und Art des Strahles - der reicht vom breiten Sprühen bis zum harten Vollstrahl. Wer von diesem getroffen wird, zieht ganz sicher den Rückzug an, zumindest für den Moment. Die geballte Kraft von WaWe 10 zeigt sich an einem Straßenschild: Als der Vollstrahl aufprallt, zappelt es wie ein Fähnchen im Sturm. Trotzdem, sagt Peter Auer, sei in NRW noch niemand durch einen Wasserwerfer verletzt worden. Die Polizei dürfe zum Beispiel nicht auf Köpfe zielen.

Die Besatzung besteht aus fünf Polizeikräften

Die Steuerpulte von WaWe 10 sind vollgestopft mit Bildschirmen, Joysticks und massenhaft anderen Instrumenten. Es sieht dort fast aus wie im Flugzeug-Cockpit. Die Besatzung besteht aus fünf speziell für den Wasserwerfer geschulten Polizeikräften: Rund um den Kommandanten in der Mitte sitzen ein Fahrer, zwei „Werfer“ und ein „Beobachter“. Zur Ausstattung gehören auch Außenkameras und ein Computer zur Dokumentation der Einsatzszenerie. Auer: „Wir können dadurch Straftäter besser feststellen. Wir sind aber auch selbst kontrollierbarer geworden.“ Auch das Vorgehen der Besatzung wird aufgezeichnet.

Seit der Auslieferung Ende 2011 ist der Wasserwerfer noch nicht in Bochum eingesetzt worden, nur in anderen Städten. Die Garage bei der Bereitschaftspolizei am Gersteinring ist auch nur die Standortbasis für deutschlandweite Einsätze. Zuletzt war das Riesending beim Fußballspiel BVB gegen Ajax Amsterdam präsent. Demnächst soll es nach Köln fahren - zum dortigen Spiel des FC gegen Dresden.

9,90 Meter Länge und 3,80 Meter Höhe

Der neue Wasserwerfer ist 9,90 Meter lang, 3,10 Meter breit und 3,80 Meter hoch (ohne Antenne). Zwei bis zu 408 PS starke Dieselmotoren treiben das Fahrzeug und die Wasserpumpe an. Der Spritverbrauch liegt 40 Litern. Der Wassertank fasst 10.000 Liter. Sollte alle Düsen gleichzeitig voll aufgedreht werden, wäre der Tank in drei Minuten leer. Das Fahrzeug kann aber an fast jedem Hydranten sofort wieder aufgetankt werden.

Sollte der WaWe 10 durch geworfene Molotowcocktails oder anderes in Brand geraten, kann er sich mit speziellen Wasserdüsen auf dem Dach und unter dem Boden selbst löschen. Die Polizei Bochum hat noch zwei kleinere, ältere Wasserwerfer.