„Pianist der Hoffnung“ gastiert in Bochum

Martina Overlöper (mi.) hat das Konzert organisiert, hier mit Christiane Peters (Bosy) und Propst Michael Ludwig.
Martina Overlöper (mi.) hat das Konzert organisiert, hier mit Christiane Peters (Bosy) und Propst Michael Ludwig.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Der aus Syrien geflüchtete Künstler Aeham Ahmad musiziert in der Propsteikirche mit den Bochumer Symphonikern.

Bochum.. Dieses Konzert ist wirklich etwas Besonderes: Wenn am 4. Advent der syrisch-palästinensischen Pianist Aeham Ahmad gastiert, dann bringt er nicht nur die Musik mit. Sondern auch eine – seine – fast unglaubliche Geschichte vom (Über)-Leben und über die Kraft der Musik inmitten von Terror, Krieg und Vernichtung.

Übers Mittelmeer geflüchtet

Im September hatte Martina Overlöper, Flötistin der Bochumer Symphoniker, über Ahmads Geschichte gelesen. In der Süddeutschen Zeitung stand ein Bericht über den Musiker, der mit einem Klavier auf Rollen auf den Straßen der Palästinenser-Siedlung Jarmuk bei Damaskus unterwegs ist und in den Ruinen für die Überlebenden des Terrors Musik machte. Gedruckt war auch ein Foto, auf dem der 27-Jährige zu sehen ist, wie er inmitten der Trümmer am Piano sitzt.

Mit dem Tod bedroht

Ahmad verstand seinen künstlerischen Einsatz als eine verzweifelte Geste der Hoffnung in einem offenbar von allen Hoffnungen verlassenen, vom Bürgerkrieg verwüsteten Land. Die dramatische Geschichte dieses Mannes ließ Overlöper nicht mehr los. „Nachdem die Truppen des IS nach Jarmuk vordrangen, verbrannten die Dschihadisten Ahmads Piano vor seinen Augen und bedrohten ihn mit dem Tod“, weiß sie. Der Musiker floh im Schlauchboot übers Mittelmeer auf die Insel Lesbos und weiter nach Deutschland. Seit September lebt er als registrierter Flüchtling in Hessen. Seine Familie ist in Syrien geblieben.

„Ich beschloss Kontakt zu ihm aufzunehmen, um von Musiker zu Musiker zu helfen“, sagt Martina Overlöper. Aber die Bochumerin war nicht die einzige, auch in Bonn war man auf Ahmad aufmerksam geworden. Auch dorthin wurde er eingeladen. In der früheren Bundeshauptstadt nimmt er am Freitag (18.12.) den neu geschaffenen Beethoven-Preis entgegen, als Honorierung seines mutigen Einsatzes für mehr Menschlichkeit. „In Bochum ist der auch als ,Pianist der Hoffnung’ bezeichnete Musiker dann zwei Tage später Gast“, freut sich Overlöper.

Durch Granatsplitter verletzt

Gemeinsam mit den BoSy und Propst Ludwig hat sie das Konzert am Sonntag organisiert, wobei die Symphoniker den Nachmittag in der Propsteikirche musikalisch mitgestalten. Der arabische Liedermacher wird Eigenkompositionen vortragen und auch eine weitere traurige Episode aus seinem jungen Leben erzählen. Denn mit der angestrebten Karriere als Konzertpianist wird es nie etwas werden, nachdem ein Granatsplitter Aeham Ahmads Hand verletzte.

20.12., 16 Uhr, Propsteikirche St. Peter und Paul, Untere Marktstraße, Eintritt frei

 
 

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