Peter Lohmeyer glänzt in Bochum in "Opening Night"

Eine grandios aufspielende Katharina Linder und der grandios disziplinierte Peter Lohmeyer in den Bochumer Kammerspielen.
Eine grandios aufspielende Katharina Linder und der grandios disziplinierte Peter Lohmeyer in den Bochumer Kammerspielen.
Großer Schauspieler-Auftritt in Bochums Kammerspielen: „Opening Night“ nach dem gleichnamigen Film von John Cassavetes. In den Hauptrollen: Die grandios aufspielende Katharina Linder und der grandios disziplinierte Peter Lohmeyer. Regie führt Hausherr Anselm Weber.

Bochum.. E s scheint leicht für eine Schauspielerin zu sein, eine Schauspielerin zu spielen, die eine Schauspielerin spielt. Jeder Fehler, jeder Patzer wirkt, als solle er eine von den beiden anderen Schauspielerinnen charakterisieren. Um so schwieriger aber wird es, den beiden Rollen, die da in einem gespielt werden, klare Konturen zu geben. Katharina Linder schafft das. Sie ist die alternde, aber noch nicht alte Schauspielerin Myrtle Gordon in dem Stück „Opening Night“ nach dem gleichnamigen Film von John Cassavetes am Bochumer Schauspielhaus – und sie ist es grandios. Vor allem im Zusammenspiel mit Peter Lohmeyer, der ihren Bühnenpartner Maurice als kühlen Profi hinlegt, in dem bei aller Selbstkontrolle beständig ein beleidigter Underdog lauert.

Außer der Präsenz, außer der Unwiederbringlichkeit des Augenblicks hat die Bühnenfassung (aus der Feder von Sabine Reich) dem Film von Cassavetes (1977) nichts voraus. Hier wie dort geht es um das Altern der nicht altern Wollenden, es geht um eine Gesellschaft, die ihre Rollen genauso unerbittlich verteilt wie ein Regisseur, der um seine letzte Chance kämpft, oder eine fast schon greise Bühnenautorin, die sich den Frust ihrer späten Jahre von der Seele schreibt. Ihr Stück wird in der Provinz geprobt, bevor es an den Broadway geht. Und aus der Katastrophe einer verpatzten Uraufführung wird am Ende ein Triumph der Schauspielerei – eine Selbstbehauptung mit bitterem Beigeschmack.

Reden, reden, reden

Es geht allerdings auch um Menschen, die dauernd reden, reden, reden, ohne miteinander zu sprechen. Selbst wenn des öfteren Sehnsüchte in aller Offenheit auf den Tisch des Hauses kommen – es kümmert sich jeder, es kümmert sich jede stets nur um die eigenen.

Und es gibt eine großartige Szene in dieser gekonnt-routinierten Inszenierung des Hausherrn Anselm Weber, in der sich Myrtle und Maurice so nahe kommen wie nie zuvor und nie wieder in ihrem Leben – ausgerechnet in einem Moment, in dem sie über ihr wirkliches Leben in den Worten miteinander reden, die ihre Rollen auf der Bühne ihnen vorgeben. – Zögerlich einsetzender, hochachtungsvoller Schlussbeifall, vor allem für die Hauptdarsteller.

Termine: 26., 28. März, 7., 13., 22., 27. April. Karten: Tel. 0234/3333 5555

 
 

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