Personelle Konsequenzen bei Stadtwerken nach Honorar-Streit gefordert

Jürgen Stahl
Die Steinbrück-Debatte überschattete den Weintest "Livingroom" der Bochumer Stadtwerke.
Die Steinbrück-Debatte überschattete den Weintest "Livingroom" der Bochumer Stadtwerke.
Foto: WAZ FotoPool
Im „Livingroom“ veranstalteten die Stadtwerke am Montag einen Weintest. Doch die Steinbrück-Debatte goss reichlich Wasser in den Rebensaft. Mehr denn je steht der Energieversorger in der Kritik. Die Diskussion auch um personelle Konsequenzen ist entfacht.

Bochum. Nach einem „Klärungsgespräch“ u.a. mit OB Scholz hatten die Stadtwerke den SPD-Kanzlerkandidaten am Sonntagabend aus der Schusslinie genommen. In einer Unterlassungserklärung wird versichert, dass mit Steinbrück nie vereinbart gewesen sei, das 25.000-Euro-Honorar beim „Atriumtalk“ 2011 für einen wohltätigen Zweck zu spenden. „Kommunikationsschwierigkeiten“ zwischen den Stadtwerken und Medienberater Sascha Hellen werden angeführt.

„Eine Blamage für die ganze Stadt“, zürnt Wolfgang Cordes (Grüne). Er verweist auf die Antwort der Stadtwerke auf eine Anfrage im Rat im Juni 2010. Darin wird mitgeteilt, dass beim ,Atriumtalk’ gemeinnützige Einrichtungen bedacht werden. „Die jetzige Darstellung widerspricht dem konträr. Damals war übrigens auch nur von 20.000 Euro die Rede“, so Cordes.

Von Transparenz noch immer keine Spur

Brisanz gewinnt die Debatte durch Meldungen, nach der weitere von Sascha Hellen vermittelte Talk-Gäste - unter anderem Joachim Gauck - nichts von einer Spende gewusst haben sollen. Die „Linken“ nennen Uli Hoeneß und Hans-Dietrich Genscher.

„Herr Wilmert macht offensichtlich, was er will“, kritisiert Klaus Franz (CDU) den Stadtwerke-Chef. Der Aufsichtsrat (dem Franz angehört) werde auch bei anderen Themen „nur lückenhaft informiert. Beim Atriumtalk gingen wir bisher fest von der Spenden-Regelung aus. Wir hatten keinen Zweifel“. Es sei höchste Zeit, „dass die Vogelfreiheit aufhört“. Dabei müsse auch über personelle Konsequenzen nachgedacht werden. „Bauernopfer darf es aber nicht geben“, kommentiert Klaus Franz Mutmaßungen, nach denen Stadtwerke-Sprecher Thomas Schönberg um seinen Job bangen müsse.

Atriumtalk auf Dauer geschädigt

„Ohne sichtbare Konsequenzen wird es nicht gehen“, stellt auch Felix Haltt (FDP) „die Frage nach der Verantwortung“. Die Stadtwerke hätten bundesweit für Negativschlagzeilen gesorgt. „Die Marke ‚Atriumtalk‘ scheint nachhaltig beschädigt zu sein und sollte aufgegeben werden“, so die Liberalen.

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke kommt am Donnerstag um 12.30 Uhr unter dem Vorsitz von OB Scholz zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Einziges Thema: „Atriumtalk“. Mögliche Ergebnisse könnten bereits in die Ratssitzung einfließen, die um 15 Uhr beginnt.