Bochum

Paukenschlag im Marcel-Heße-Prozess: Urteil dürfte sich erneut verzögern

Marcel Heße (rechts) mit seinem Verteidiger Michael Emde vor dem Landgericht Bochum.
Marcel Heße (rechts) mit seinem Verteidiger Michael Emde vor dem Landgericht Bochum.
Foto: DER WESTEN/ Matthias Biesel

Bochum. Eigentlich hätte es schon im Herbst letzten Jahres ein Urteil im Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelmörder Marcel Heße geben sollen. Weil sich die Beweisaufnahme verzögerte, wurden weitere Sitzungstermine anberaumt.

Zu viele Fragen waren noch offen - vor allem Fragen zur geistigen Gesundheit und Schuldfähigkeit von Marcel Heße, der im März 2017 zuerst den neun Jahre alten Jaden und wenig später seinen Freund Christopher brutal erstochen hat.

Für Ende Januar war nun das Urteil erwartet worden - doch der Prozess wird wohl noch weiter gehen. Marcel Heßes Verteidiger Michael Emde hatte am Donnerstag bereits orakelt, dass sich das Urteil verzögern könnte. Bisher sollte der Prozess am 25. Januar enden.

Heßes Anwalt verlangt möglicherweise weiteres Gutachten

Anwalt Emde hatte sich bereits am Donnerstag beschwert, dass ihm das Gutachten zu spät vorgelegt worden war. Somit habe er zu wenig Zeit gehabt, sich ausreichend auf das sechsseitige Papier vorzubereiten.

Er plane möglicherweise ein weiteres Gutachten zu beantragen.

Reifeurteil noch nicht vorgetragen

Da ein letzter Punkt des Gutachtens am Donnerstag aus zeitlichen Gründen nicht vorgetragen werden konnte, soll dies am 18. Januar nachgeholt werden.

Dieser Punkt des Gutachtens hat es in sich: Psychologin Sabine Nowara und Psychiaterin Astrid Rudel werden ihr Urteil zur Reife Heßes abgeben. Es könnte ausschlaggebend dafür sein, ob Heße nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird.

Hauptgrund für die Verzögerung: Geplant war bisher, dass am 18. und abschließend 25. Januar Plädoyers und das Urteil verkündet werden. Doch es werden nun wohl doch nicht alle Tagesordnungspunkte an den beiden Tagen erledigt werden können: Auch weil ein letzter wichtiger Punkt des Gutachtens nicht wie gedacht am vergangenen Verhandlungstag vorgetragen werden konnte - aus zeitlichen Gründen. Wann und wie viele weitere Termin angesetzt werden sollen, soll laut einem Sprecher des Bochumer Landgerichts am Anfang der nächsten Woche verkündet werden.

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Diese Strafen drohen nach Jugend- und Erwachsenenstrafrecht

Angeklagte im Alter von 18 bis 21 Jahren können nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden. Heße war zum Tatzeitpunkt 19 Jahre und sechs Monate alt.

Sollte Heße nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Aufgrund der Schwere der Schuld könne eine Ausnahmevorschrift greifen, so ein Gerichtssprecher.

Deutlich härter wäre eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht. Dann müsste der Doppelmörder mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen.

Nach 15 Jahren hätte er dann die Möglichkeit einen Antrag auf Bewährung zu stellen. Bei besonderer Schwere der Straftat verlagert sich dieser Zeitpunkt nach hinten. Zum Schutz der Allgemeinheit könne zusätzlich noch eine Sicherheitsverfahrung beantragt werden.

 
 

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