Park (ing) Day in Bochum: Radfahrer besetzen Parkplätze

Die freie Fahrrad-Initiative "urbanRadeling" nutzte öffentliche Parkplätze in der Innenstadt als Aktionsfläche für Familien, Anwohner, Vereine, Verbände, Studierende, Kunstschaffende oder Initiativen. Beim PARK(ing) Day wurden einige Stunden lang PKW-Stellplätze in einen öffentlichen PARK verwandelt werden. Uta Wippermann-Wegener und Manuela Weber gestalten einen Parkplatz für die Verbraucherzentrale.
Die freie Fahrrad-Initiative "urbanRadeling" nutzte öffentliche Parkplätze in der Innenstadt als Aktionsfläche für Familien, Anwohner, Vereine, Verbände, Studierende, Kunstschaffende oder Initiativen. Beim PARK(ing) Day wurden einige Stunden lang PKW-Stellplätze in einen öffentlichen PARK verwandelt werden. Uta Wippermann-Wegener und Manuela Weber gestalten einen Parkplatz für die Verbraucherzentrale.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Aktion gibt es in anderen Städten bereits seit 2005
  • Im nächsten Jahr soll vielleicht auch die andere Seite des Südrings gesperrt werden
  • ADFC Bochum beteiligt sich und verspürt Rückenwind, weil Bochum jetzt fahrradfreundliche Stadt ist

Bochum. Das schwarze T-Shirt trägt Jens Eschmann auch sonst ganz gerne. An diesem Tag aber war es fast Pflicht, es anzuziehen. „Kommt Zeit, kommt Rad“ steht drauf und es passt gut zum Rat an die Parkplatz suchenden Autofahrer entlang des Südrings, sich einen anderen Abstellort zu suchen. Am Südring ist heute Parking Day.

Platz für Personen zu Fuß

Den gibt es anderorts bereits seit 2005 und richtig heißt er auch nicht Parking Day, sondern Park (ing) Day. Die 30 Menschen, die zusammen mit Eschmann 20 City- Parkplätze von 16 bis 19 Uhr besetzt halten, wollen damit die Aufteilung des Straßenraums in Frage stellen. Sie haben Stühle und Tische mitgebracht, Fahrräder werden repariert, es wird gequatscht und die Verbraucherzentrale weist auf ihre nächste Aktionswoche zum fairen Handel hin. Alle gestalten Flächen, wo sonst Fahrzeuge stehen. „Wir brauchen mehr Platz für Personen zu Fuß, auf einer Bank oder auf dem Fahrrad, das schafft lebenswerte Städte“, sagt Klaus Kuliga, Chef des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Kreisverband Bochum.

Er hat sich mit dem ADFC der Aktion organisiert von der Fahrrad-Initiative Urban-Radeling angeschlossen und verteilt reichlich Naschwerk an die Teilnehmer und Passanten: Park-Plätzchen. Er hat schon Parking Days veranstaltet, da hießen die noch nicht Parking Days. „Vor 30 Jahren haben wir mal etliche Parkplätze am Boulevard besetzt. Das gab damals aber mal so richtig Ärger mit den Autofahrern. Da sind wird massiv beschimpft worden.“ Das passiert diesmal nicht.

Die vorbei fahrenden Autofahrer gucken zwar interessiert, fahren dann aber weiter und suchen weiter. Freitags einen Parkplatz entlang des Südrings zu bekommen, ist auch ohne Parking Day schwierig genug. Wobei es natürlich die Innenstadtparkhäuser mit rund 4000 Stellplätzen gibt.

Der Ärger fällt weitestgehend aus

Vielleicht fällt auch deswegen der Ärger weitestgehend aus. Siegmar Renn, Inhaber von „Highlander Games“ am Südring, aber macht seinem Unmut Luft. „Scheiße ist das, dass meine Kunden hier jetzt nicht parken können. Damit schaden die Parking-Day-Menschen nicht den Leuten, die hier nicht parken können, sondern uns, den Geschäftsinhabern. Und wir müssen der Stadt Gewerbesteuer zahlen. Die interessiert nicht, wenn wir keine Kunden haben, weil Parking Day ist, oder Bochum total oder Sparkassengiro.“

Ähnlich wie die beiden Großveranstaltungen wird/soll auch der Parking Day wiederkommen. „Das war heute erst der Anfang“, sagt Eschmann. „Im nächsten Jahr sperren wir vielleicht beide Seiten des Südring.“ Und Kuliga ergänzt: „Wir Radfahrer hatten jahrelang Gegenwind in dieser Stadt. Jetzt, da Bochum fahrradfreundliche Stadt ist, haben wir Rückenwind.“

 
 

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