Outokumpu-Arbeiter in Bochum entsetzt über Schließungspläne

Frank Meßing und Michael Weeke
Das Edelstahl-Werk in Bochum soll schon 2014 geschlossen werden. 450 Arbeitsplätze sind betroffen.
Das Edelstahl-Werk in Bochum soll schon 2014 geschlossen werden. 450 Arbeitsplätze sind betroffen.
Foto: Stefan Arend / WAZ Fotopool
Neue Schreckensmeldung für den Wirtschaftsstandort Bochum: Der finnische Konzern Outokumpu will sein Edelstahl-Werk in Bochum schon im kommenden Jahr schließen. Bislang hatte es geheißen, eine Schließung sei frühestens Ende 2016 geplant. Doch Outokumpu plagen wirtschaftliche Sorgen.

Bochum. Der finnische Konzern Outokumpu will sein Edelstahl-Werk in Bochum schon im Laufe des kommenden Jahres schließen. Das gab das Unternehmen am Vormittag bekannt. Die Schließung des Schmelzwerks, von der rund 450 Mitarbeiter betroffen sind, war ursprünglich für Ende 2016 geplant und sollte von einer Wirtschaftlichkeitsprüfung abhängig gemacht werden.

Diese hat der Konzern offenbar vorgezogen und kommt zu dem Schluss, dass mit der Schließung des Bochumer Schmelzwerks die höchsten Einsparungen erreicht werden könnten. Die Schließung hat auch Auswirkungen auf die Warmbreitbandstraße von Thyssen-Krupp in Bochum. Der Vorsitzende des Betriebsrats des Bochumer Outokumpu-Werks, Frank Klein, sieht den Stahlstandort Bochum und die 2500 Jobs bei ThyssenKrupp "in großer Gefahr". Beide Anlagen liegen auf einem Gelände. Ein Drittel des bei Thyssen-Krupp verarbeiteten Materials stammt aus dem Outokumpu-Werk.

Überkapazitäten im Weltmarkt

Outokumpu leidet nach eigenen Angaben unter Edelstahl-Überkapazitäten im Weltmarkt. Allein in Europa seien es 1,5 Millionen Tonnen. Anzeichen für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage seien nicht erkennbar. Das hat Auswirkungen auch auf die Finnen, die nach eigenen Angaben zum 30. Juni 2013 unter einer Nettoverschuldung von drei Milliarden Euro leide.

"Diese Maßnahmen sind zwar schmerzhaft, jedoch notwendig, um unter den schwierigen Marktbedingungen eine Trendwende einzuleiten", erklärte Outokumpu-Chef Mika Seitovirta. Er will jährlich 300 Millionen Euro einsparen und insgesamt 1000 zusätzliche Stellen abbauen. Davon betroffen ist auch der Standort Krefeld, wo 330 Arbeitsplätze wegfallen sollen.

Mitarbeiter wollen gegen das Sparprogramm protestieren

Schon Montagabend ist das Werk heruntergefahren worden. Derzeit wird nicht produziert. Auch rund 50 Lastwagen, die Waren anliefern oder abholen, werden nicht bedient.

Der Vorsitzende des Betriebsrats, Frank Klein, ist sauer über die Informationspolitik des Unternehmens: "Noch gestern haben die uns gesagt, dass sie die Verträge einhalten. Heute erfahren wir über das Intranet, dass das Werk geschlossen wird."

Betriebsrat und Gewerkschaft bewerten die Pläne als klaren Wort- und Vertragsbruch der Finnen. Ende 2012 hatte Outokumpu das Edelstahl-Geschäft von Thyssen-Krupp übernommen. In Krefeld Mitarbeiter wollten am Mittag auch Mitarbeiter aus Bochum gegen das Sparprogramm protestieren. Gegen 12.15 Uhr machten sich rund 120 Bochumer Werksangestellte in zwei Bussen auf den Weg nach Krefeld.

IG Metall kündigt weitere Aktionen an 

Einer von ihnen ist Murt Sanli. Der 40-Jährige arbeitet seit 23 Jahren im Werk. "Mit dieser Entscheidung hatten wir nicht gerechnet", sagte er kurz vor der Abfahrt. Zusammen mit seinen Kollegen wolle er um den Erhalt des Bochumer Werks kämpfen.

Die IG Metall plant in den kommenden Tagen weitere Aktionen. Die Gewerkschafts-Bevollmächtigte für Bochum, Eva Kerkemeier, sprach von einer "bodenlosen Unverschämtheit" des Unternehmens. "Offenbar gibt es in Finnland keine Gesetze", sagte sie - und wies auf den geltenden Tarifvertrag hin.

Arbeitsminister Schneider spricht von einem Skandal

Umfrage 2013-10-01 WerksschließungAuch NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) zeigte sich entsetzt über das Vorgehen von Outokumpu. "Das ist ein Skandal. Eine Schließung bedeutet, dass ein Weltkonzern offenen Vertragsbruch begeht", sagte er. Der Standortsicherungsvertrag gelte, deshalb entsprächen die Pläne nicht der vereinbarten Sozialpartnerschaft. "Das kann ich nicht akzeptieren."

Er appellierte an Outokumpu, die geschlossenen Verträge einzuhalten. Die Landesregierung werde sich aber nicht in die Arbeit der Bündnispartner einmischen.

Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat die Pläne des finnischen Edelstahlkonzerns Outokumpu zur vorzeitigen Schließung seines Bochumer Stahlwerks scharf kritisiert. Sie habe gegenüber Outokumpu-Chef Mika Seitovirta das "große Befremden der Landesregierung" deutlich gemacht, dass Outokumpu bestehende Verträge nicht einhalte, heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag. "Dieses Verhalten verstößt gegen die Unternehmenskultur in diesem Land."

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