Das aktuelle Wetter Bochum 14°C
Opel Bochum

Opel will bei Werksschließung 500 Mio Euro für Personalabbau zahlen

16.06.2012 | 15:31 Uhr
Opel will bei Werksschließung 500 Mio Euro für Personalabbau zahlen
Bochumer Opelaner verließen am Samstag, 16. Juni 2012, aus Protest vorzeitig die Belegschaftsversammlung im RuhrCongress. Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool.

Bochum.   Der angeschlagene Autobauer Opel will sich die Schließung des Bochumer Werks 500 Millionen Euro allein für den Personalbabau kosten lassen, sagte Betriebsratsvorsitzender Rainer Einenkel der WAZ gegenüber. Eine weitere halbe Milliarde Euro müsse die Firma für sonstige Schließungskosten einkalkulieren. Am Samstag verließen rund 2000 Opelaner vorzeitig die Belegschaftsversammlung im Bochumer RuhrCongress, weil der anwesende Opel-Chef Stracke keine Zusage für eine weitere Produktionsplanung mit dem Bochumer Werk über 2016 hinaus machte.

Opel will für die Schließung des Bochumer Werks allein für den Personalabbau rund 500 Millionen Euro bereitstellen. Diese Zahl gab Betriebsratsvorsitzender Rainer Einenkel während der Belegschaftsversammlung am Samstag im Bochumer RuhrCongress bekannt. Weil weder Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke noch sein Personalvorstand Holger Kimmes, beide anwesend, eine Bestandsgarantie für das Werk Bochum über das Jahr 2016 hinaus abgaben, verließen die rund 2000 Opelaner aus Protest nach nur anderthalb Stunden die Versammlung.

„Mir liegen Pläne zur Schließung des Bochumer Werks vor“, bestätigte Einenkel der WAZ Mediengruppe gegenüber. „Aber eine Schließung würde für General Motors ein Milliardengrab werden.“ Denn zu den 500 Millionen Euro für den Personalabbau käme mindestens noch einmal die gleiche Summe für die „klassischen Schließungskosten“, darunter für die Sanierung des Bergbaugeländes. „Wer so plant, muss krank sein“, kritisierte der Betriebsratschef. „Das Geld könnte man viel besser für eine weitere Produktion in Bochum nutzen.“

Die Stimmung am Samstag war vor der Versammlung, die um acht Uhr morgens begann, durch eine Demonstration von Familienangehörigen vieler Opelaner vorgeheizt. Drinnen im großen Saal redete Einenkel in Richtung Vorstand Klartext: „Eine Wischiwaschi-Rede wollen wir nicht. Sie brauchen heute nicht viel zu sagen, Sie müssen nur das Richtige sagen, nämlich: ,Diese Schließungsplanungen kommen vom Tisch, wir bekommen neue Modelle’.“

Doch genau das passierte nicht. Opel-Chef Stracke, mit dem Bochumer Werk selbst durch jahrelange Mitarbeit in der Führungsetage verbunden, sagte kein einziges Wort zu seinen Mitarbeitern und früheren Kollegen. Er habe sich nur wie ein Gast verhalten. Dann wurde Personalvorstand Kimmes aufgefordert, Signal zu geben, ob er sich äußern wolle. Einenkel über dessen Reaktion: „Ich habe das so verstanden, dass er nichts sagen will oder darf.“

Enttäuscht und aufgebracht verließen die 2000 Opel-Mitarbeiter daraufhin vorzeitig die Versammlung, die, weil außer dem Vorstand in der ersten Reihe kaum noch einer da war, vorzeitig beendet wurde. Um 9.30 Uhr schloss der Versammlungsleiter die Veranstaltung, „weil der Charakter einer Versammlung nicht mehr vorhanden ist“.

Zur Opel-Aufsichtsratssitzung am 28. Juni bemerkte Einenkel: Entscheidend wird sein, dass dort kein Schließungsplan für das Bochumer Werk zur Beschlussfassung vorgelegt wird. Das wäre eine Kriegserklärung an Bochum und das würde die Marke kaputt machen.“ Sollte der Aufsichtsrat die Schließung nicht beschließen, „können wir wieder verhandeln“.

Rolf Hartmann

Kommentare
19.06.2012
07:57
Opel will bei Werksschließung 500 Mio Euro für Personalabbau zahlen
von noeppi | #17

Hier in Bochum läuft einiges falsch. Wo in absehbarer Zeit 3000 Menschen ihre Arbeit verlieren, sitzt dann in der Innenstadt eine andere...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
WAZ verlost VIP-Karten für Grönemeyer-Open-Air in Bochum
Stadionkonzert
Im Rewirpower-Stadion haben die Vorbereitungen für die Grönemeyer-Konzerte begonnen. Für das Open Air am 20. Juni verlost die WAZ zwei VIP-Karten.
Auf der Ruhr soll von Stiepel aus wieder eine Fähre fahren
Projektinitiative
Projektinitiative Ruhrfähre hat sich gegründet. Sie möchte zwischen Kemnader und Koster Brücke eine weitere Möglichkeit schaffen, das Ufer zu...
Polizist nach fatalem Schlag im Bermudadreieck im Wachkoma
Anklage
Ein Dreivierteljahr nach einem Schlag ins Gesicht liegt ein Polizist weiter im Wachkoma. Wegen der Tat hat die Staatsanwaltschaft einen Herner (31)...
Bermuda-König Leo Bauer feiert 70. Geburtstag
Kneipenszene
Großgastronom gilt als Gründer des Bermuda-Dreiecks, der Kultur und Kneipe geschickt miteinander verband. Groß feiern will er seinen Ehrentag nicht.
Bochumer Rathaus bietet Kulisse für Kinofilm
Kino
Das Bochumer Rathaus bot am Donnerstag die Kulisse für den Kinofilm „Jeder stirbt für sich allein“. Mit am Drehort: Emma Thompson und Brendan Gleeson.
Fotos und Videos
Westkreuz fast fertig
Bildgalerie
Autobahn-Baustelle
Ein starkes Stück Bochum
Bildgalerie
Springorum-Radweg
Buntes aus dem Wok
Bildgalerie
Das isst der Pott
article
6772898
Opel will bei Werksschließung 500 Mio Euro für Personalabbau zahlen
Opel will bei Werksschließung 500 Mio Euro für Personalabbau zahlen
$description$
https://www.derwesten.de/staedte/bochum/opel-will-bei-werksschliessung-500-mio-euro-fuer-personalabbau-zahlen-id6772898.html
2012-06-16 15:31
Opel,Werksschließung,Bochum,General Motors,Autos
Bochum