Opel-Spitze muss sich bewegen

Bochum. Direkt nach der Abstimmung und Ablehnung des Tarifvertrags durch die Mehrheit der Opel-Belegschaft am Donnerstag fuhr die Konzernleitung das vorbereitete Geschütz auf und erklärte: Ende 2013 ist Schluss mit der Getriebefertigung, 2014 ist Schluss mit der Autoproduktion in Bochum und der Wegfall der dritten Schicht kommt bald. Das empört auf breiter Front. Am Freitag erfuhr die Belegschaft Unterstützung aus vielen Lagern.

Auch der Mann, der die Interessen der Unternehmen (inklusive Opel ) in der Region repräsentiert, IHK-Präsident Helmut Diegel, meldete sich zu Wort: „Ich fordere GM auf, sich jetzt nicht in die Schmollecke zurückzuziehen.“ Diegel fordert Opel auf, „rechtsverbindliche Vorschläge auf den Tisch zu legen und erneut zur Abstimmung zu stellen, die die Verantwortung für die Menschen und den Standort beweisen“.

"Geredet werden muss so oder so"

„Geredet werden muss so oder so. Die harte Linie der Opel-Leitung hat uns nicht überrascht“, ordnet Eva Kerkemeier, Bevollmächtigte im IG-Metall-Bezirk, die Fakten. Sie folgt der Einschätzung von Rainer Einenkel, Opel-Betriebsratschef. Einenkel setzt auf einen Neuanfang mit dem neuen Opel-Chef Neumann (siehe Wirtschaft). Auch am Freitag habe es bereits - „auf Wunsch des Unternehmens“ - Verhandlungen gegeben.

Ökonomisch unsinnig und daher „unwahrscheinlich“ bleibe das Auslaufen der Zafira-Produktion zum angekündigten Zeitpunkt, verweist Einenkel auf die Einschätzung des Auto-Experten Prof. Ferdinand Dudenhöfer. Mit bis zu 200 Mio. Euro Kosten für die Produktionsverlagerung rechnet Stefan Bratzel (FH Bergisch Gladbach).

"Keine Zeit zu verlieren"

„Ich kann nur an die Vernunft aller Beteiligten appellieren und das Management auffordern, die Verhandlungen noch nicht für beendet zu erklären“, schaltete sich auch Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz ein. SPD-Fraktionsvorsitzender Peter Reinirkens erwartet „ein klares Bekenntnis von Opel zur Perspektive Bochum 2022“. Bochum habe Beschlüsse gefasst, um Bebauungspläne für die Werksgrundstücke aufstellen zu können. Die Zielvorstellungen von Opel für Bochum müssten auf den Tisch: „Es gilt, keine Zeit zu verlieren.“

Die CDU-Ratsfraktion sieht nun die Landesregierung in der Pflicht: „Jede weitere Eskalation schadet dem Standort.“ Dessen ungeachtet reiht sich Roland Mitschke, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, in die lange Liste der Kritiker der Konzernleitung ein: „Das Opel-Management hat das mangelnde Vertrauen der Belegschaft in seine Zusagen selbst verschuldet.“

„Das eindeutige Votum der Opel-Belegschaft kann ich gut nachvollziehen. Es kann niemandem zugemutet werden, zu seiner eigenen Beerdigung zu gehen“, nahm Wolfgang Cordes, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Rat, Stellung.

 
 

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