Opel soll wieder eine Aktiengesellschaft werden

Andreas Bartel
Foto: ddp/Clemens Bilan

Bochum. Die Adam Opel GmbH ist bald wieder eine Aktiengesellschaft. Dadurch erhofft das Unternehmen sich mehr Mitspracherechte für die Mitarbeiter sowie eine größere Eigenständigkeit gegenüber dem Mutterkonzern General Motors.

Die Adam Opel GmbH ist bald wieder eine Aktiengesellschaft. Das bestätigte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel gegenüber DerWesten. Der Autobauer erhofft sich durch diesen Schritt mehr Mitspracherechte für die Mitarbeiter sowie eine größere Eigenständigkeit der Geschäftsführung gegenüber dem amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM). So soll ein Ausschuss aus Mitgliedern des Aufsichtsrates gebildet werden, der die Entwicklung neuer Produkte beschließen soll. Ziel sei eine neue Unternehmenskultur auf der Basis einer „Gewinnorientierung, Transparenz, gegenseitigem Respekt und Einbeziehung der Mitarbeiter“

Allerdings bezahlen die Opelaner die Umwandlung unter anderem mit einem Lohnverzicht von jährlich 265 Millionen Euro bis 2014 – insgesamt also über eine Milliarde Euro. Das geht aus einer bereits im Mai geschlossenen Rahmenvereinbarung hervor, die der Redaktion vorliegt.

In der Praxis werde sich „nicht allzu viel ändern“

In dem Papier ist festgehalten, in welchem Umfang Opel Arbeitsplätze abbauen und Personalkosten reduzieren will, um zukünftige Profitabilität und Wachstum zu schaffen.

Nach Aussage des Bochumer Betriebsratschefs Rainer Einenkel sei das Unternehmen – und speziell der Verbund der deutschen Opelwerke – nach der Rückumwandlung in eine AG sicherer und habe zukünftig mehr rechtliche Möglichkeiten gegenüber der Konzernmutter. Diese Rechte habe es allerdings bereits als „freiwillige Zugeständnisse“ von GM in der GmbH gegeben, so Einenkel weiter. Somit werde sich in der Praxis „nicht allzu viel ändern“. Die Rechte seien nun aber zumindest „juristisch sauber formuliert“ und vertraglich „zementiert“.

Einenkel geht davon aus, dass die Umwandlung in eine AG, die bis spätestens Ende des Jahres erfolgen muss, schon bald „in trockenen Tüchern“ sei. Auf der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag werde man über den aktuellen Stand informieren.

Doch vor diesen rosigen Aussichten stehen zunächst Personalreduzierungen und finanziell harte Einschnitte für die Opelaner. In dem so genannten „Master Agreement“ beschließen Betriebsräte, Opel-Management und IG Metall unter anderem, „dass Personalreduzierungen notwendig sind.“ Von den europaweit 8300 Arbeitsplätzen sollen mehr als 2600 allein in Deutschland wegfallen. Davon 485 in Rüsselsheim, 300 in Kaiserslautern und 1838 in Bochum. Nur dann werde Opel bis Anfang 2015 keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen.

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel hält diese Zahlen für „absolut unrealistisch“. Es sei bereits vereinbart, dass betriebsbedingte Kündigungen „in Bochum vermieden werden müssen.“ Dennoch gibt Einenkel zu: „Ich weiß, dass wir ein Problem haben.“ Es sei verständlich, dass das Unternehmen versuche, im nach Saragossa zweitgrößten Produktionswerk in Europa „die Mitarbeiterzahlen anzugleichen.“

Eine Milliarde Euro Lohnverzicht

Doch egal, wie viele Mitarbeiter Opel am Ende verlassen – finanzielle Einbußen müssen die Verbliebenen auf jeden Fall hinnehmen. So werden von 2011 bis 2014 jedes Jahr 265 Millionen Euro auf ein Treuhandkonto eingezahlt, knapp 177 Millionen davon kommen aus Deutschland. Dafür verzichten die Mitarbeiter bis zum 31. Januar 2012 auf die ausgehandelte Tariferhöhung in Höhe von 2,7 Prozent. Außerdem entfällt die vorgesehene Einmalzahlung von 320 Euro für Arbeitnehmer sowie 120 Euro für Auszubildende. Darüber hinaus halbiert sich das Weihnachts- und Urlaubsgeld um die Hälfte. Opel verpflichtet sich zudem großzügig, „einen entsprechenden Einsparungsbetrag des Managements einzubringen.“ Zudem soll die Belegschaft in Zukunft anteilig am Gewinn des Unternehmens beteiligt werden.

Von dem durch Lohnverzicht eingesparten Geld sollen zukunftsweisende Investitionen angestoßen werden – Meilensteine, wie Opel sie nennt. Dazu zählen die Entwicklung eines neuen Cabrios, des neuen Kleinwagens „Junior“ sowie einer neuen Version des Insignia und des Combo. Werden diese Investitionen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stärken sollen, nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt getätigt, „fließt das Geld an die Mitarbeiter zurück“, verspricht Einenkel.

Lebenslange Garantie auf Neuwagen

Der Treuhandbetrag solle garantieren, dass GM das Geld nicht für andere Projekte zweckentfremdet, wie für den Bau neuer Werke in den USA. Denn letztlich, so Einenkel, „entscheidet die Mutter, wie viel Geld die Kinder bekommen.“

Neuerdings gewährt Opel seinen Kunden mit der Begründung, „Weil unsere Kunden das Wichtigste sind, das wir haben“, eine lebenslange Garantie auf Neuwagen. Von einer Jobgarantie für Mitarbeiter ist hingegen nirgends die Rede – nichtmals intern.