Opel-Chef gibt keine Zusage für neues Modell

2000 Opelaner kamen zur Betriebsversammlung in den Ruhrcongress - eine Zusage zum Bau des neuen Astra bekamen sie jedoch noch nicht.
2000 Opelaner kamen zur Betriebsversammlung in den Ruhrcongress - eine Zusage zum Bau des neuen Astra bekamen sie jedoch noch nicht.
2000 Opelaner versammelten sich am Samstag im Ruhrcongress Bochum. Vergeblich hofften sie auf ein Weihnachtsgeschenk von Europa-Chef Karl-Friedrich Stracke: die Zusage zum Bau des neuen Astra.

Bochum.. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke kam wie erwartet: mit leeren Händen. Zwar unterstrich der 55-Jährige am Samstag vor rund 2000 Opelanern, die zur Belegschaftsversammlung in den Ruhrcongress gekommen waren, den „hohen Stellenwert“ des Bochumer Werkes, die erhoffte Zusage für die überlebenswichtige neue Modellreihe gab er indes nicht.

„Wir brauchen die zweite Modellreihe"

Stracke und Bochums Betriebsrats-Chef Rainer Einenkel teilten unisono mit, dass der Opel-Aufsichtsrat erst im Frühjahr 2012 über den Bau neuer Autotypen entscheiden werde. Das Werk Bochum könne sich wie jedes andere Werk bewerben.

„Wir brauchen die zweite Modellreihe, sonst gehen hier 2014 die Lichter aus“, sagt Einenkel. Er fordert als Mitglied des Aufsichtsrates, dass Anfang 2012 nicht nur über die neuen Modelle entschieden wird, sondern auch „welches Werk, welches Modell bauen wird“.

Bald Chevrolets in Bochum?

Opel Bochum hofft auf den Zuschlag zur Produktion des neuen Astra. Zurzeit werden vor Ort der Astra als Fünftürer und Caravan sowie der Zafira als Family und Tourer gebaut. „Perspektivisch reicht das aber nicht aus, um das Werk lebensfähig zu halten“, sagt Einenkel.

Der neue Zafira allein könne das zu erwartende Absatzminus bei den anderen Autos nicht auffangen. Sollte Bochum „nichts Gleichwertiges“ aus dem Hause Opel beschert werden, könnte sich Einenkel auch vorstellen, Chevrolets in Bochum bauen zu lassen. „Das wäre aber nur die zweitbeste Lösung.“

Geschwindigkeit musste reduziert werden

„Wenn wir den Astra bekommen wollen, müssen wir noch tiefer in die Knie gehen und noch mehr Verzicht üben“, wertete am Samstag ein Opelaner die Ansage aus der Chefetage. „Wir sollen noch besser werden, heißt es, und das mit immer weniger Leuten, das ist die Quadratur des Kreises.“ Schon jetzt zeigt der erfolgte Stellenabbau in Bochum Wirkung: der Krankenstand ist hoch, viele Aushilfen (Studenten) sind im Werk, Kurzarbeiter wurden zurückgeholt. „Uns fehlen rund 100 Leute“, sagt Einenkel.

Immer mehr Fachleute aus anderen Werken (Eisenach, Rüsselsheim etc.) helfen aus. Die Geschwindigkeit in der Produktion musste von 34 auf 30 Autos pro Stunde reduziert werden. Für Mitte 2012 sind dessen ungeachtet aber 37 Jobs pro Stunde das Ziel.

„Wir sind momentan das wichtigste Werk in Europa“

Andernorts wären längst Leiharbeiter im Werk. Das aber wäre in Bochum ein Politikum. Trotz des Engpasses verlassen zum 1. März offiziell noch einmal 500 Opelaner – viele sind jetzt schon zu Hause – das Werk und wechseln in eine Transfergesellschaft.

Dass Bochum brummt (Einenkel: „Wir sind momentan das wichtigste Werk in Europa.“), ist auch an den im Vergleich zu anderen Werken kürzeren Weihnachtsferien zu erkennen. Lediglich vom 24. Dezember bis zum 1. Januar ruht die Produktion. Zahlreiche Freiwillige machen zudem überhaupt keine Pause und bauen weiter Komponenten oder reparieren Neuwagen.

 
 

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