Opel Bochum verschickt Warnbriefe - freiwilliger Abgang oder Kündigung

Bei Opel Bochum drohen betriebsbedingte Kündigungen, falls nicht noch 300 Mitarbeiter freiwillig gegen Abfindungen gehen. Ab 18. Juli schreibt Opel die ersten Warnbriefe. Ablöse-Regel wirkt wie ein Poker-Spiel.

Bochum.. In den Bochumer Opelwerken zittern viele Mitarbeiter immer noch um ihren Arbeitsplatz. Weil rund 300 Stellen abgebaut werden sollen, aber keiner gehen will, macht der Autobauer jetzt weiter Druck: Ab 18. Juli wird Opel „alle Beschäftigten anschreiben, die von einer möglichen Kündigung bedroht sein könnten“.

Das teilte Betriebsratsvorsitzender Rainer Einenkel im Gespräch mit der WAZ mit. Und: „Wenn am 15. August die die Zahl nicht erreicht ist, prüft das Unternehmen einen Tag später, am ersten Tag nach den Werksferien, ob es nicht betriebsbedingt kündigen kann.“ Einenkel stellte dabei jetzt schon klar: „Wir werden als Betriebsrat jeder Kündigung widersprechen und werden uns nicht an der Auswahl beteiligen. Außerdem werden wir jedem Betroffenen Rechtsschutz geben.“

Personalabbau konnte reduziert werden

Ursprünglich sollten seit Anfang 2010 bis Ende 2011 rund 1800 Stellen bei Opel Bochum gestrichen werden. Nach zähen Verhandlungen, zum Schluss in der Einigungsstelle, konnte der geplante Personalabbau reduziert werden, u.a. dadurch, dass die Getriebeproduktion bis Ende 2013 erhalten bleibt.

Die Abwanderung, verzuckert durch mehr oder weniger hohe Abfindungen und Übergang in eine Transfergesellschaft, hat längst schon begonnen. Gut angekommen bei der Belegschaft war das Angebot an die Jahrgänge 1955 bis 1957, Opel mit Hilfe einer „Altersbrücke“ zu verlassen, maßgeschneidert ausschließlich für das Bochumer Opelwerk. Von den rund 560 Mitarbeitern dieser Altersgruppen haben 500 das Angebot angenommen. In diesem Regelwerk sei berücksichtigt worden, dass die ausscheidenden Opelaner Rentenverluste hinnehmen müssen. „Dafür kann man den ganzen Stress bei Opel hinter sich lassen“, meint der Betriebsratschef dazu.

Ablöse-Regelung wirkt wie ein Pokerspiel

Wie ein Pokerspiel wirkte in den letzten Wochen die Ablöse-Regelung bei Opel: Wer bis letzten Donnerstag den Auflösungsvertrag unterschrieb, bekam zur Abfindung bis zu acht Monatsgehälter noch dazu. Wer sich bis kommenden Freitag, 15. Juli, dafür entscheidet, bekommt zur Abfindung vier Monatsgehälter oben drauf. Falls die 300 Stellen bis dahin immer noch nicht abgebaut sind, läuft als letzte Frist der 15. August 2011. Danach drohen Kündigungen.

Die personelle Gemengelage bei Opel ist wegen der ständigen Fluktuation so, dass man offenbar kaum exakt sagen kann, wie viele dort eigentlich arbeiten. Zur Zeit sind „jeden Tag 7.000 Menschen bei Opel im Werk“, nennt Einenkel eine Zahl. Im Mai 2011 waren davon 4704 als Opel-Personal beschäftigt, die anderen gehör(t)en zu Partnerfirmen. Die, die über die „Altersbrücke“ gehen, machen das zum 1. März 2012. Die anderen können zum 1. Oktober in die Transfergesellschaft wechseln.

 
 

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