Opel-Aufsichtsrat entscheidet über Zukunft der Zafira-Produktion

Christian Teichmann & Klaus Buske
Der Aufsichtsrat der Opel AG wird sich voraussichtlich dem Plan der Opel- und GM-Spitze beugen: Die Produktion des Zafira-Tourer soll bereits Ende 2014 im Bochumer Opelwerk eingestellt werden. „Ein Ende wäre das Beste", heißt es aus Mitarbeiterkreisen: "Das war insgesamt alles hier kein Sanierungsvorhaben, sondern letztlich nur ein Weg zum langsamen Sterben.“

Bochum. Überrascht sein dürfte kaum einer der über 3400 Bochumer Opelaner, wenn der Aufsichtsrat der Opel AG dem großen Plan der Opel- und GM-Spitze folgt und den Plan des Opel-Vorstands abnickt, die Produktion des Zafira-Tourer bereits Ende 2014 im Werk Bochum zu beenden. „Die Verlagerung der Produktion nach Rüsselsheim wird schöngerechnet“, hatte Bochums Opel-Betriebsratschef der WAZ schon vor Tagen erklärt.

Was die Autobauer vor Ort aber brennend interessiert, ist die Frage, inwieweit die Betriebsräte in Rüsselsheim die Unternehmenspolitik mittragen, die für ihre Bochumer Kollegen das schnelle Aus und Massenkündigungen bedeuten würden.

Die Hoffnung, dass letztendlich die ökonomische Vernunft einen Verbleib der Produktion bis 2016 in Bochum ermöglicht, ist noch nicht ganz gewichen – dies auch, weil man darauf hofft, dass die Konzernspitze bemüht sein könnte, einen weiteren Imageschaden für die Marke Opel zu vermeiden. Die zweite unbeantwortete Frage ist, wie die Vertreter der IG Metall ihren Mitglieder – rund 87 Prozent der Bochumer Opelaner sind in der IGM – ihr Zutun zum Horrorszenario für die Ruhrregion erklären können. Auch von der IGM wird mehr als aktive Sterbehilfe für den Standort erwartet.

"Nur ein Weg zum langsamen Sterben“

Die Stimmung am Werk ist gedrückt. Ein Opelaner beurteilt die Lage: „Was kommt, weiß keiner. So wie es aber aussieht, möchte General Motors das Ende des Werkes mit aller Macht vorantreiben. Aber obwohl man uns verarscht hat, wird die Arbeit hier tagtäglich gemacht. Das erstaunt mich ehrlich gesagt selber.“

Ein anderer Mitarbeiter, der ebenfalls anonym bleiben will, sagt angesichts der Dauerkrise: „Ein Ende wäre das Beste. Seit fünf Jahren werden wir mit Standortsicherungsverträgen erpresst. Das war insgesamt alles hier kein Sanierungsvorhaben, sondern letztlich nur ein Weg zum langsamen Sterben.“

"Von GM, IG Metall und Landespolitik verkauft"

Ein Werksarbeiter sagt vor seiner Heimfahrt nach Feierabend: „Ich bin einer, der mit Ja zum Tarifvertrag gestimmt hat, was letztlich aber auch unerheblich ist. Die Mehrheit, gerade jüngere Mitarbeiter, stimmten mit Nein. Letztlich wurden wir aber alle von GM, der IG Metall und der Landespolitik verkauft – konkrete Zahlen, etwa zu Abfindungssummen, gab es vor der Abstimmung auch nicht. Wenn ich für 40.000 Euro ein Auto kaufe, möchte ich ja auch nicht erst nach dem Kauf wissen, was drin ist.“ Mit einem Lächeln steigt er in seinen Wagen: „Das hier ist hier jedenfalls mein letzter Opel!“