Oberbürgermeisterin Scholz empfängt zum Abschied 300 Gäste

Thomas Schmitt
Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz verneigt sich auf ihrem Empfang im Kunstmuseum vor ihren Gästen
Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz verneigt sich auf ihrem Empfang im Kunstmuseum vor ihren Gästen
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Am Dienstag endet die Amtszeit von Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz. Zum Abschied empfing sie am Freitag 300 Gäste im Museum.

Bochum. Museum, 11 Uhr: Eine Menschenschlange bildet sich vor dem Haus wie beim VfL zu besten Zeiten. Fast alles, was vor Ort Rang und Namen hat, schaut am Freitag vorbei, um Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz alles Gute für ihren Ruhestand zu wünschen. Bochums Stadtgesellschaft ist dieser Termin wichtig.

Die Gastgeberin ist sichtlich bewegt, schüttelt Hunderte Hände. Was viele zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: Scholz beschäftigt nicht nur der eigene Ruhestand, sondern eine traurige Nachricht: Bochums ehemaliger Stadtdirektor Gerd Kirchhoff ist tot.

Chefdramaturg führt durch den Empfang

„Dieses sollte ein Fest sein, wo ich auf Wiedersehen sage. Jetzt ist es auch ein Abschiedsfest geworden“, sagt Scholz später in ihrer Rede. „Gestern haben wir den langjährigen Bezirksbürgermeister Norbert Busche beerdigt und zur gleichen Zeit ist Herr Kirchhoff gestorben. Das ist ein Schock, ein furchtbarer Schlag.“

Gäste reden auf dem Empfang am Freitag auf Wunsch von Ottilie Scholz nicht. Olaf Kröck, der Chefdramaturg des Schauspielhauses, der durch den Vormittag führt, erklärt warum: „Frau Scholz war der Auffassung, dass alle, die was sagen wollen, ohnehin nur sagen: Es war schön, wir haben uns auch mal gestritten, mach’s gut – und tschüs!“

Die 67-Jährige stimmt lieber mit einer Lesung von Schauspielerin Veronika Nickel, Tangomusik von den Bochumer Symphonikern und einer tänzerischen Einlage des Renegade-Tanztheaters aus Herne ein. Ein klares Bekenntnis, dass „Kunst und Kultur“ einer der Schwerpunkte in der Arbeit der scheidenden OB gewesen sei, erläutert Kröck.

Aktenberge liegen im OB-Zimmer

Eine Bilanz ihrer 16 Jahre in Bochum wolle sie nicht ziehen. Dafür werde sie möglicherweise die anwesenden Pensionäre um ein paar Tipps für die Freizeitgestaltung bitten, sagt Scholz. „Ich habe wirklich mein ganzes Leben gearbeitet. Und plötzlich hast du nicht mehr diesen Rhythmus.“ Scholz kündigt an, in Bochum wohnen zu bleiben. Zum Aufräumen im Rathaus habe sie noch fünf Tage Zeit. „Das tue ich schon seit Wochen, sehe aber nichts davon. Dafür wird mein Zuhause so, wie mein Büro vorher war.“

h

An den Aktenbergen im OB-Zimmer zweifelt wohl niemand. „Ottilie Scholz war die erste Oberbürgermeisterin der Stadt, die am ersten Tag zeigen musste, dass sie starke Nerven hat“, sagt Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD). Die Arbeitsmarktpolitik und die Entscheidung internationaler Konzerne wie Nokia oder Opel hätten ihr viel Arbeit beschert und ihre Amtszeit geprägt.