OB rügt Direktor wegen Tipp an SPD

Ulrich Wicking, Chef des Schulverwaltungsamtes der Stadt Bochum, bei der Innenansicht eines Schulraumes in einem neu errichteten Schulgebäudes der Heinrich-Böll-Gesamtschule. Foto: WAZ
Ulrich Wicking, Chef des Schulverwaltungsamtes der Stadt Bochum, bei der Innenansicht eines Schulraumes in einem neu errichteten Schulgebäudes der Heinrich-Böll-Gesamtschule. Foto: WAZ
Foto: WAZ
Weil er einem Parteifreund der SPD insgeheim schriftliche Ratschläge zur Rettung der Böckler-Realschule zuschickte, erhielt Schulamtsleiter Ulrich Wicking nach Abschluss eines Disziplinarverfahrens einen Verweis von der OB. Offiziell hatte sein Amt den Abriss der Schule empfohlen.

Bochum.. Wegen eines geheimen Tipps an seinen Parteifreund Ernst Steinbach, Ratsmitglied der SPD, hat der Leiter des Schulverwaltungsamtes, Ulrich Wicking (63), jetzt einen Verweis der Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) kassiert. „Ich habe das so akzeptiert“, sagte Wicking der WAZ auf Nachfrage.

Mit dieser Maßregelung ist das Disziplinarverfahren gegen den Leitenden Verwaltungsdirektor abgeschlossen. Wicking räumt Ende des Jahres 2012 sein Büro und wird Ende Februar 2013 seinen Dienst mit dann 64 quittieren. Es handele sich dabei um die Wahrnehmung von Altersteilzeit, sagte er.

Abriss der Schule gefordert

Vehement bestritt er, dass er wegen des Disziplinarverfahrens vorzeitig gehen muss. Schon vorher habe er des öfteren erklärt, dass er in den Ruhestand ginge, wenn das Neue Gymnasium Bochum fertig sei. Die über 30 Mio Euro teure Schule wird im Herbst eröffnet.

Der Vorwurf: Wicking hatte vor fast zwei Jahren per Mail Steinbach insgeheim Argumente dafür geliefert, wie man die von Schließung bedrohte Hans-Böckler-Realschule retten könnte. Pikant: In seiner beruflichen Funktion als Schulverwaltungsamtsleiter hatte er genau das Gegenteil zu vertreten. Denn die offizielle Verwaltungsvorlage seines Amtes, gerichtet an den Schulausschuss, forderte nämlich den Abriss dieser Schule.

Doch Wickings Doppelspiel flog auf. Die Mail mit den zweckdienlichen Hinweisen für die SPD wurde von seinem Sekretariat versehentlich auch an die Ratsfraktionen verschickt. Vor allem die CDU prangerte den Vorgang als Skandal an und forderte die OB auf, disziplinarrechtlich gegen Wicking vorzugehen. Das Verfahren dauerte über anderthalb Jahre.

Keine Verfügung über Dienstwohnungen

Zu nicht nur im Rathaus kursierenden Gerüchten, er solle Mitglieder seines SPD-Ortsvereins Altenbochum oder deren Angehörige mit Jobs oder günstigen Dienstwohnungen versorgt haben, erklärte Wicking, das sei falsch. In einem Fall habe er einer Bitte des Personalamts entsprochen, in einem anderen Fall sei es eine AWO-interne Regelung gewesen.

Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt ist Ernst Steinbach. Und über Dienstwohnungen, so Wicking weiter, könne er nicht verfügen, das sei Sache der städtischen Zentralen Dienste.

Er bestätigte, dass diskutiert worden war, Schulverwaltungsamt und Sportamt zusammen zu legen. Aber nicht wegen seiner Person, sondern erst mittel- bis langfristig.

 
 

EURE FAVORITEN