NRW-Ministerin Löhrmann stärkt Stellung des Gymnasiums

Dominik Loth
Ist von der Zukunft des Gymnasiums überzeugt: NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann beim 20. Bochumer Dialog.
Ist von der Zukunft des Gymnasiums überzeugt: NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann beim 20. Bochumer Dialog.
Foto: FUNKE Foto Services
Die verkürzte Schulzeit soll Alleinstellungsmerkmal der höheren Schulform sein. Dafür sprach sich die Grünen-Politikern an der Ruhr-Universität aus.

Bochum. Den Schulleitern, Lehrern und Vertretern der Bezirksregierung machte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) zu Beginn des 20. Bochumer Dialogs in der Ruhr-Universität Bochum Mut: Das Gymnasium hat in ihrem Zukunftsentwurf für das Jahr 2035 Bestand. Ihren härtesten Widersacher in der Diskussion, Prof. (i.R.) Dr. Bernd Zymek von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, konnte Löhrmann nicht von dessen Überzeugung abbringen, das Gymnasium sei in Gefahr. Klare Fakten schuf sie beim Thema G8.

Löhrmann zufolge ist das Gymnasium die „älteste und beliebteste Schulform. Eltern vertrauen dem Gymnasium ihre Kinder an.“ Das belege die Statistik – 40 Prozent suchen nach der vierten Klasse diese Schulform auf. Gesetzlich ist das Konzept bis 2023 festgeschrieben. „Ich sehe keine denkbare Regierungskonstellation, die daran rütteln wird.“ Das Alleinstellungsmerkmal soll aus Sicht der 58-Jährigen „eine verstärkte Progression im Rahmen des verkürzten Bildungsgangs“ sein. Heißt auch: An G8 soll sich nichts ändern.

Deutsch als Zweitsprache verpflichtend

Thema Durchlässigkeit: Auch künftig soll die Entscheidung bei den Eltern liegen. Aber: „Nachfolgende Korrekturen müssen möglich sein.“ Auch, wenn die soziale und leistungsbezogene Heterogenität die Herausforderung der Zukunft sein wird: „Lehrer müssen auf die heterogene Schülerschaft pädagogisch eingehen. Außerdem finde ich, es sollte verpflichtend sein, im Bereich Deutsch als Zweitsprache ausgebildet zu sein.“

Prof. Dr. Nele McElvany von der TU Dortmund machte in ihrem Vortrag die Zunahme der Leistungsunterschiede offensichtlich. Diese würden positiv aufgenommen, seien allerdings verbunden mit einem höheren Zeit- und Kostenaufwand. Für sie ist das Zwei-Säulen-Modell, Gymnasium und Gesamtschule, nicht zwangsläufig die Zukunft: Es stelle sich „keine Frage nach Formen, ob die Schule Gesamtschule oder Gymnasium heißt, sondern, wer sitzt in diesen Klassen.“ Für die Forscherin ist die Zahl der Schüler am Gymnasium abhängig von der Attraktivität anderer Schulformen.

In dieselbe Kerbe schlug Professor Zymek. Das Gymnasium habe nur dort eine Zukunft, wo die zweite Schulform attraktive Entwicklungschancen hat. In den ländlichen Regionen, aber auch in Stadtteilen von Großstädten brauche die zweite Säule eine positive Unterstützung.