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Bochum: Filmreifer Gefängnis-Ausbruch – so türmte Aleksander Erceg

Aleksander Erceg gelang eine filmreife Flucht.
Aleksander Erceg gelang eine filmreife Flucht.
Foto: Stephan Schütze/dpa /Polizei /Fotomontage: DER WESTEN

Bochum. Einen filmreifen Ausbruch aus der JVA Bochum legte Aleksander Erceg am Donnerstabend hin. Der 42-Jährige überwand die Gefängnismauer und türmte.

Doch wie gelang es dem Häftling, der bereits seit sieben Jahren einsitzt, die fünf Meter hohe Gefängnismauer zu überwinden? Und warum bliebt seine Flucht unentdeckt?

Ausbruch aus JVA Bochum: So gelang Aleksander Erceg die Flucht

Gegenüber DER WESTEN schildert Gefängnisdirektorin Karin Lammel den genauen Ablauf. Die 57-Jährige ist seit knapp einer Woche die neue Leiterin der JVA Bochum.

Aleksander Erceg hatte einen Vertrauensposten inne. Diesen erlangen nur Häftlinge, die sich während ihrer Haft tadellos verhalten. Als Sportwart kümmerte er sich um die Reinigung in der Sporthalle, baute Geräte auf und wieder ab. Innerhalb des Gebäudes, in dem sich die Sporthalle befindet, darf sich der Häftling frei bewegen.

Gegen Abend meldet sich der 42-Jährige zum Duschen ab. Er gibt vor in den Keller zu den Duschen zu gehen. Tatsächlich führt sein Weg in den ersten Stock auf die Zuschauerempore. Von dort gelangt er zu einem Oberlicht, das auch als Rauchabzug dient. „Es ist nicht gerade leicht dorthin zu kommen“, verweist die Gefängnisdirektorin auf die sportliche Herausforderung.

Über ein Seil gelangt er in den Innenhof. Dort wartet in einem Geräteschuppen bereits eine Konstruktion aus Stangen. An der fünf Meter langen Übersteighilfe befindet sich eine Matte. Normalerweise dient sie dazu, den Fußballschotterplatz zu glätten. Aleksander Erceg nutzt sie hingegen, um sie über den spitzen Stacheldraht auf der Mauer zu legen. Zusätzlich deckt er die Zacken mit einer Decke ab, um sich nicht zu verletzen.

Wahrscheinlich springt er darauf aus fünf Meter Höhe in die Freiheit.

Doch wie konnte der Häftling unbeobachtet entkommen?

Die Wachtürme sind durch Asbest befallen, müssen momentan erneuert werden. Daher können dort keine Wachleute postiert werden. „Über den Ausbruch bin ich natürlich nicht erfreut“, so Lammel. Es müsse nun geprüft werden, ob personelle, bauliche oder technische Maßnahmen durchgeführt werden müssen. „Wir arbeiten an den Sicherheitsvorkehrung“, kündigt sie weiter an.

Welche Gefahr von dem geflüchteten Häftling ausgeht, ist schwer einzuschätzen. Seit 2010 saß er bereits in verschiedenen Gefängnissen ein. Inhaftiert war der gebürtige Serbe wegen Diebstahl, gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes.

So soll Aleksander Erceg aussehen:

  • Circa 1,75 Meter groß
  • Schlank
  • Drahtige Figur
  • Braune Augen
  • Schulterlange, nach hinten gegelte, braune Haare
  • Er hat Tätowierungen am Oberkörper und an beiden Oberarmen

Die Polizei suchte Freitagnacht nach dem Flüchtigen. Dabei waren unter anderem ein Hubschrauber, Spürhunde und die Bereitschaftspolizei im Einsatz.

(mit göt)

 
 

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