Zivilisation tötet den Fisch

Sabine Vogt
Die drei Künstler (v.li.) Abel Morejon Gala, Henning Dahlhaus und Rafael Campana Ochoa zeugen den Entwurf für das Wandbild, das an der Hauswand Schwerinstraße 2 entsteht.
Die drei Künstler (v.li.) Abel Morejon Gala, Henning Dahlhaus und Rafael Campana Ochoa zeugen den Entwurf für das Wandbild, das an der Hauswand Schwerinstraße 2 entsteht.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Umweltzerstörung ist das Thema Wandbild-Projektes, das zwei kubanische und ein Bochumer Künstler an einer Hausfassade in Gerthe schaffen.

Gerthe.  Der Fisch, er hat keine Chance: Autoabgase setzen ihm genauso zu wie die Abfälle und Auswüchse der Zivilisation, die er schlucken muss und daran stirbt. Diese Szene zeigt das Wandbild, das „Mural“, das derzeit in Gerthe entsteht. Initiator ist der Verein „Humanitäre Cubahilfe“, der schon für das Wandbild an der Alleestraße verantwortlich war. Damals sollte die Agenda thematisiert werden, diesmal sind es die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO-Generalversammlung, wie Bildung, Kampf gegen Armut und Hunger.

Die drei Künstler – Rafael Campana Ochoa und Abel Morejón Calá aus Kuba sowie Henning Dahlhaus aus Bochum – haben sich auf den Aspekt Umwelt, auf die Meeresverseuchung, geeinigt. Der Fisch symbolisiert dabei die Opfer der Zerstörung. „Plastik ist wie ein Monster“, sagt Rafael Ochoa, der zeitweilig in Kuba und in Dortmund lebt, „die Bedenkenlosigkeit der Menschen, besonders der Reichen, ruiniert die Umwelt“. Bevor das Trio in Bochum zusammenkam, hat es sich per Mail und Telefon verständigt. Die erste Konzeptphase folgte dann im Atelier des Jugendzentrums U27 in Gerthe.

„Weltbaustellen“ in 16 Städten

Das Wandbild entsteht an der Hauswand Schwerinstraße 2, gut positioniert an der 308-Haltestelle Gerthe Mitte. „Die Hausbesitzer hatten sich nach einem Aufruf gemeldet“, erzählt Dagmar Wolf, ehemals Bahnhof Langendreer, die sich stark in dem Projekt engagiert.

In 16 Städten in NRW entstehen in den nächsten zwei Jahren solche „Weltbaustellen“ („die Welt entsteht vor Ort“), jeweils mit Künstlern aus dem Norden und dem Süden. Das Projekt wird gefördert durch das „Eine-Welt-Netz NRW“. Zum Auftakt in Gerthe war das Interesse groß, der Saal im Kulturrat gut gefüllt; unter den Gästen auch Anette Chao Garcia von der kubanischen Botschaft.

Bezirksbürgermeister Henry Donner sagte: „Mehr Kultur, die ein bisschen bunter und internationaler ist, täte dem Bochumer Norden gut. Jetzt werden wir mit diesem Projekt beschenkt.“ Der Kulturrat begleitet das Projekt in Gerthe mit Veranstaltungen, Filmen, Performances und Musik.

Am 8. Juli soll das Gerther „Mural“ fertig sein, wobei neben der Hausfassade auch eine Mauer und eine Garage als Leinwand dienen. Dort gibt es einen Tag später die Einweihungsfeier. Klaus Piel von der Cubahilfe: „Kuba als Partner liegt nah, ist es doch eines der führenden Länder in Sachen Nachhaltigkeit, außerdem haben Wandgemälde dort eine lange Tradition.“ Wobei, so ergänzte er, der Blick aus dem Süden auf das Thema eine tragende Rolle spiele. „Deutschland ist ein Entwicklungsland“, findet das Eine-Welt-Netz NRW, für das Sebastian Bonse sprach. Denn Entwicklung sei nicht länger eine Aufgabe armer Länder, sondern sei ein Ziel aller, gehe es nun um den fairen Welthandel oder Geschlechtergerechtigkeit, um Bildung oder negative Auswirkungen von Konsum auf Umwelt, Tier und Mensch.

Begleit-Veranstaltungen

Zu den Begleit-Veranstaltungen des „Mural“-Projektes im Bochumer Kulturrat (Lothringer Str. 36c) gehört eine Filmdoku am 28. Juni, 19 Uhr, über Energiesparmaßnahmen in Kuba.

Am 2. Juli wird im Kulturrat um 16 Uhr eine Ausstellung mit Arbeiten der drei beteiligten Künstler eröffnet, die bis zum 10. Juli dort zu sehen sind.
Am 5. Juli (19 Uhr) gibt es drei Kurzfilme zu Kubas Süd-Süd-Kooperation. Am 13. Juli, 19 Uhr, gastiert die Entre Pasos Dance Company.