Wo Kumpel morgens ihren Durst löschten

Dieter Klee fand in Iris Krone eine würdige Nachfolgerin für seine Traditionskneipe Haus Klee. Heute ist Wiedereröffnung.
Dieter Klee fand in Iris Krone eine würdige Nachfolgerin für seine Traditionskneipe Haus Klee. Heute ist Wiedereröffnung.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Eigentümer Dieter Klee gibt Traditionsgaststätte Haus Klee in Kornharpen in neue Pächter-Hände. Für Iris Krone war es Kneipenliebe auf den ersten Blick.

Kornharpen. Es war Kneipenliebe auf den ersten Blick: Gastronomin Iris Krone war auf der Suche nach einer Gaststätte zum Pachten. Ihr Getränkelieferant gab ihr – an ihrem Geburtstag – den entscheidenden Tipp: die Traditionsschenke Haus Klee in Kornharpen.

Krone machte sich auf den Weg: „Ich kam da ‘rein, es war Dienstagabend, und sah knobelnde alte Männer, die am Tisch ihre Würfel warfen; an einem anderen Tisch saßen ein paar 20-Jährige und spielten Karten – sowas gibt’s ja heute kaum noch“, schwärmt sie von der urigen Atmosphäre des Ladens.

Es hat gefunkt: Nach zwei Wochen schweißtreibender Renovierung ist es heute um 17 Uhr soweit, und das Haus Klee am Grünen Weg öffnet unter der neuen Pächterin Krone seine Pforten.

Die Gaststätte ist eine Institution in Kornharpen – ein halbes Jahrhundert prägte sie das Leben im Ortsteil. Eigentümer Dieter Klee erinnert sich: Am 13. Februar 1965 haben seine Eltern die Kneipe eröffnet – an Klees 30. Geburtstag. „Da hab ich glatt durchgearbeitet“, erzählt er lachend.

Denn zu tun gab es genug: Die Zechen- und Stahlarbeiter waren durstig, und so öffnete die Kneipe schon um 10 Uhr vormittags. Und auch sonst war das Gasthaus so etwas wie der Mittelpunkt des Ortsteils – eine Zeit lang war sogar die Poststelle da untergebracht. „Briefe, Pakete, alles wurde da abgegeben“, erinnert sich Klee. „Da musste ich manchmal sagen: Vater, pass auf, dass du das Bier nicht über die Briefmarken kippst.“Bei so vielen Erinnerungen ist der 80-Jährige natürlich froh, dass sich eine neue Pächterin gefunden hat, zumal eine, die den familiären Charme seiner Kneipe liebt und erhalten will. Apropos Liebe: „So viele Liebschaften haben sich hier kennengelernt, viele kommen immer noch hierher und sind inzwischen Großeltern“, erzählt Klee. „Das ist ja quasi eine Partnervermittlungsbörse“, sagt Iris Krone und lacht. Die ersten Hochzeitsfeiern im neuen Laden sind auch schon reserviert.

Inzwischen ist das Haus Klee eine der letzten Kneipen im Ortsteil, und auch die Kneipenkultur habe sich in den letzten Jahrzehnten verändert, finden Klee und Krone. Aber gerade deshalb ist die neue Pächterin froh, das Traditionslokal übernommen zu haben: „Woanders kämpft man ums Publikum – hier sind einfach schon alle vertreten“, sagt sie.

„Ich habe mir auch andere Läden angesehen, die standen teilweise ein Jahr leer – ich bin aber ein ungeduldiger Mensch“, sagt sie. Krone wollte es direkt angehen lassen – ohne langes Rumgeplänkel. Wie das eben so ist, bei der Liebe auf den ersten Blick.

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