Vokabeln lernen und Kunst erleben

Beim Tag der offenen Tür erklärt Claudia Seider den Interessierten das besondere Konzept ihrer Sprachschule.
Beim Tag der offenen Tür erklärt Claudia Seider den Interessierten das besondere Konzept ihrer Sprachschule.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
All dies bietet „Sprach-Kunst im Luisenhof“ seit über zehn Jahren. Die Einrichtung am Südring ist halb Schule, halb Galerie.

Mitte..  Claudia Seider ist eine Frau mit Visionen: „Ich möchte die Menschen am Künstlerleben teilhaben lassen“, sagt die Initiatorin und Leiterin des Projekts Sprachkunst im Luisenhof – halb Sprachschule, halb Kunstgalerie. Schulen und Kindergärten hat Seider schon viele kontaktiert, um ihre alternativen Sprachlehrgänge zu etablieren. Jetzt präsentierte sich die Kunst-Sprachschule beim Tag der offenen Tür – beides mit überschaubarer Resonanz. Das ist schade, denn das Projekt ist interessant, auch wenn vieles auf den ersten Blick seltsam erscheint.

Denn Vokabeln lernen die Schüler bei Sprachkunst nicht klassisch auf Karteikärtchen, sondern ganz praktisch, zum Beispiel durch das Betasten von Skulpturen. „Die Anfänger berühren die Skulptur und müssen sie mit den gelernten Vokabeln beschreiben“, erklärt Björn Kratzke, Seiders Assistent. Fortgeschrittene können dann eine Bildbeschreibung wagen, zum Beispiel auf Italienisch.

Kalt und faszinierend

Der Nebeneffekt: Galerie und Sprachschule bewerben sich gegenseitig. Denn eine Galerie allein sei schwer zu halten, zu groß die Konkurrenz im Ruhrgebiet, sagt Kratzke. Die Künstler, die in der Sprachkunst-Galerie ausstellen, kommen aus der Region. Zum Beispiel Sigrid Dübbisch aus Witten: Auf bemaltem Aluminium fertigt sie Linoliumschnitte mit Motiven aus dem Ruhrgebiet, wie die Jahrhunderthalle oder das Bergbaumuseum.

Kalt, unheimlich, aber auch faszinierend – das sind Vokabeln, die die Sprachschüler wohl gut an ihren Werken lernen könnten. Die Kursangebote richten sich an Jung und Alt

So lud Claudia Seider Bochumer Schulen ein, die ausgestellten Werke von Norbert Schulz mit denen des Street-Art-Stars Basquiat zu vergleichen: auch im Gespräch mit Schulz, doch das Interesse seitens der Schulen sei gering. An andere, glücklichere Projekte hat sie Seider schöne Erinnerungen: „Wir hatten einmal Personalmanager hier, zum Action-Painting“, erzählt sie. Action-Painting, das heißt: spontanes Malen ohne Planung, geleitet von der Intuition. „Die waren da wie die Kinder“, erinnert sie sich.

Apropos Kinder: Der Martin-Luther-Kindergarten in Wattenscheid unterstützt das Projekt – am Tag der offenen Tür überreichte die Kunst-Sprachschule 20 gelbe Warnwesten. Leiterin Doris Weiß findet den Ansatz, Sprache mit Kunst zu verbinden, spannend.

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