Trauerklänge für Hiroshima-Opfer

Rima Ideguchi untermalte ihre Lesung mit Posaunenklängen. Links ihr Ehemann Fabian Liedtke.
Rima Ideguchi untermalte ihre Lesung mit Posaunenklängen. Links ihr Ehemann Fabian Liedtke.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Beim Abwurf der Atombombe im August 1945 war Shigemi Ideguchi dabei. Seine Enkeltochter hat Erinnerungen ins Deutsche übersetzt. Bewegende Lesung.

Ehrenfeld..  Auch über 70 Jahre nach dem Abwurf der ersten Atombombe über Hiroshima am 6. August 1945 macht dieses Ereignis noch betroffen. Das zeigte eindrucksvoll eine Lesung der beiden Übersetzer Rima Ideguchi und Fabian Liedtke. Sie stellten in der Freimaurerloge „Zu den drei Rosenknospen“ das Buch „Singvögel und Raben waren auch nicht mehr da“ von Shigemi Ideguchi vor.

Knapp 50 Besucher hörten den beiden beim Vortrag mit musikalischen Einlagen aufmerksam zu. Erstaunlich: Am Ende gab es keine Nachfragen, niemand wollte das Thema diskutieren. „Der intensive Bericht des Autors macht uns mit seinen Bildern betroffen“, sagte Moderator Michael Kesselheim sichtlich ergriffen.

Rima Ideguchi und Fabian Liedtke wählten als Einstieg die Einleitung des Buches. Ideguchis Großvater Shigemi (1919 – 2001) schrieb es im Jahr 1989, um darin seine Erlebnisse während des verheerenden Bombenabwurfs zu verarbeiten. Ideguchi las zunächst das japanische Original, während Liedtke mit der Übersetzung nachlegte.

„Wenn ich meine Augen schließe, wird niemand mehr über diese unmenschlichen Erlebnisse berichten. Die Sorge hat mich ermutigt, diesen Bericht zu veröffentlichen“, so schreibt der Autor.

Moment der Explosion

Drei weitere Textstellen aus dem Buch, das Rima Ideguchi im Jahr 2015 zum 70. Jahrestag des Bombenabwurfs übersetzte, folgten. Darin wurden der Moment der Atombombenexplosion mit seinen vielen Toten sowie das Leid der Schwerverletzten und das Ausbrechen der Krankheitssymptome durch die atomare Verstrahlung vier Wochen später geschildert.

Die Übersetzer folgten den Erinnerungen des Autor an jenen Tag, an dem die Bombe nach offiziellen Schätzungen etwa 70 000 bis 90 000 Menschen tötete.

Die Besucher reagierten tief beeindruckt: „Sie haben für mich die zwei Schlüsselstellen des Buches vorgetragen“, sagte eine ältere Dame zu den beiden Übersetzern.

Schleichender Tod

„Den Bombenabwurf mit seinen direkten Folgen sowie der schleichende Tod danach durch die Verstrahlung.“ Ein jüngerer Mann drückte seine Betroffenheit aus, indem er Rima Ideguchi ansprach: „Für mich ist es etwas Besonderes, eine Nachfahrin eines Atombombenopfers kennenzulernen“, sagte er sichtlich bewegt.

„Singvögel und Raben sind auch nicht mehr da. Bericht aus dem Zentrum der Atombombenexplosion“ von Shigemi Ideguchi ist im Hentrich & Hentrich-Verlag erschienen. Das Buch umfasst 120 Seiten und kostet 16,90 Euro.

Nächste Lesung in der Emmaus-Kirche

Die Übersetzung entstand zugunsten des Projektes „Hilfe für Fukushima-Kinder“. Die Deutsch-Japanische Gesellschaft Dortmund organisiert Freizeiten für junge Opfer der Reaktorkatastrophe von 2011. Die nächste Benefiz-Lesung von Ideguchi und Liedtke findet am Sonntag, 13. März, 16 Uhr, in der Emmaus-Kirche (Karl-Friedrich-Straße 65a, Weitmar-Mark) statt.

 
 

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