„Stühle raus!“ ermuntert Nachbarn

„Stühle raus“ in Grumme: Nachbarn trafen sich zum Plausch und auf einen Kaffee auf der Wiese vor ihren Wohnhäusern, jeder brachte seinen eigenen Stuhl mit.
„Stühle raus“ in Grumme: Nachbarn trafen sich zum Plausch und auf einen Kaffee auf der Wiese vor ihren Wohnhäusern, jeder brachte seinen eigenen Stuhl mit.
Foto: WAZ

Grumme..  Bei „Stühle raus!“ denken die meisten Bochumer wohl zuallererst an den Start in die Biergartensaison im Bermuda-Dreieck. Im Grumme war dies jetzt der Auftakt für eine Aktion, bei der Nachbarn ermuntert wurden, mit ihren Stühlen ‘rauszukommen und sich zusammenzusetzen.

Initiator ist das Projekt „Zuhause alt werden“, das der Bürgerverein „Leben im Stadtteil“ losgetreten hatte für die Stadtteile Grumme, Gleisdreieck mit der Innenstadt, Südinnenstadt und Stahlhausen: Damit sollen Menschen, jüngere und ältere, zusammengebracht werden, die ähnliche Bedürfnisse haben und sich gegenseitig unter die Arme greifen. Gut ein Dutzend „Paare“ konnten so bereits gebildet werden, bei denen die eine Seite etwa eine Begleitung beim Spazierengehen findet, die andere sich dafür über einen eloquenten Kontakt freut.

Um Kontakte ging es auch bei „Stühle raus!“. Sozialpädagogin Daniela Risse: „Zusammen mit drei Ehrenamtlichen kamen wir früh auf die Wiese, spannten einen roten Sonnenschirm auf, und schon lugten die ersten Neugierigen aus dem Fenster oder vom Balkon herab. Wir luden sie ein, herunterzukommen, und die Resonanz war fürs erste Mal richtig gut.“ Gut 16 Leute kamen trotz brütender Hitze zur Mittagszeit.

Einige kannten sich bislangnur vom grüßen

Der Großteil derjenigen, die mit Klapp- oder Küchenstuhl die Wiese gegenüber vom Stadtteilladen füllte, war zwischen 35 und 45 Jahre alt, es waren weniger Senioren dabei als erwartet. Einige von ihnen, so Daniela Risse, kannten sich aus der Nachbarschaft, andere nur vom grüßen; „die nahmen an diesem Sonntag erstmals richtig Kontakt auf.“

Die Leute kamen ins Plaudern, stellten einander vor, tauschten Interessen aus. „Es war eine angenehme Runde, und der Tenor hinterher lautete einhellig: ,tolle Idee’.“ Und zwar eine, die Fortsetzungen findet.

Mit dieser Nachbarschaftsaktion will das Zuhause-Projekt nach und nach mehrere Wohnbezirke an der Ennepestraße erfassen. „Wir wandern damit von Wiese zu Wiese. Jede ist von vier bis fünf Hochhäusern umschlossen, so dass wir möglichst viele der Anwohner ansprechen können.“ Mindestens vier weitere Termine im August stehen bereits fest; „wenn der September noch geeignetes Wetter bietet, werden wir weiter planen.“

Ziel ist es, ähnlich wie beim Projekt „Zuhause alt werden“ die Lebensqualität im Stadtteil zu verbessern. Noch einmal Sozialpädagogin Daniela Risse: „Bei vielen meiner Hausbesuche stelle ich fest, dass ein Großteil der älteren Bewohner alleine lebt und nicht vor die Tür geht, weil dort niemand auf sie wartet. Die Aktion auf den Wiesen soll auch signalisieren: Kommt runter, hier sitzen Gleichgesinnte.“ So soll Nachbarschaft forciert werden, Bekanntschaften können entstehen.

Daniela Risse hofft natürlich, dass sich diese Aktion verselbstständigt, dass sich die Bewohner ohne offizielle Einladung vor der Haustür treffen. Zudem soll „Stühle raus!“ das Ehrenamtsprojekt des Bürgervereins bekannter machen und weitere Interessenten finden.

Die nächste Treffpunkt-Wiese wird die Höhe Ennepestraße 25 Richtung Kirche sein, wo die Nachbarschaft am Freitag, 9. August, ab 13 Uhr ermuntert wird, mitsamt Stuhl eine Plauderrunde zu bilden. Am Freitag, 16. August, beginnt die Aktion um 15 Uhr, ein weiterer Treff ist für Monatsende angesetzt.

 
 

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