Standhaft seit 100 Jahren

Lichterglanz über dem „Bergaltar“: Ein Zentralleuchter hellt das Gewölbe über dem Altar im Kirchraum seit 2006 aus. Foto: Eberhadt Brandt
Lichterglanz über dem „Bergaltar“: Ein Zentralleuchter hellt das Gewölbe über dem Altar im Kirchraum seit 2006 aus. Foto: Eberhadt Brandt
Foto: WAZ
Das Dach der Lutherkirche wurde im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Dennoch ist sie seit 100 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Stadt.

Vöde..  Das 100-jährige Bestehen der Lutherkirche am Stadtpark feierte nun die gesamte Innenstadtgemeinde mit einem großen Fest. Gemeindehistoriker Eberhard Brandt erinnerte deshalb an die Geschichte des Kirchenbaus, dessen Grundsteinlegung am 3. Juli 1910 erfolgte. Die Einweihung fand am 5. November 1911 statt. Zeitgleich mit dem Bauensemble aus Kirche und Pfarrhaus entstand in Stahlhausen die erste Friedenskirche, die allerdings im 2. Weltkrieg so sehr zerstört wurde, dass kein Wiederaufbau mehr möglich war.

Die Eingemeindung vom 1. April 1904, bei der Bochum zur Großstadt aufstieg, bildete den Ausgangspunkt für den doppelten Kirchenbau. Brandt: „Die Zahl der evangelischen Christen in der Altstadtgemeinde wuchs zugleich auf über 37 000 Leute an. In den drei damaligen Altstadtkirchen, Paulus-, Johannes- und Christuskirche, gab es aber nur 3000 Plätze.“

Die Pläne für die Lutherkirche nebst 60 Meter hohem Turm und Pfarrhaus entwarf Architekt Arno E. Fritsche. Im Inneren bot sie 800 Sitzplätze und einen Konfirmandensaal für etwa 100 Jugendliche. Bildhauer Bothe fertigte den Altar, den Taufstein und die ursprüngliche wuchtige Kanzel nach Entwürfen des Architekten an. Die Ausmalung des Innenraums sowie des Fresko „Die Einsetzung des heiligen Abendmahls“ über dem Altar übernahm Kirchenmaler Heinrich Rüter.

„Die Lutherkirche wurde als protestantische Predigtkirche gemäß dem ‘Wiesbadener Programm’ von 1891 verwirklicht“, so Brandt. Die Gottesdienstbesucher hatten deshalb von allen Plätzen eine direkte Sicht auf Altar, Taufstein und Kanzel. Einen Mittelgang zwischen den Bankreihen zum repräsentativen Einzug in die Kirche gab es nicht. Im Turm verrichtet bis heute ein Gussstahl-Glockengeläut des Bochumer Vereins seinen Dienst.

Erste Treffer im September 1942 zerstörten das Kirchendach zu zwei Dritteln. Die großen Rundbogenfenster wurden entglast. Am 13. und 14. Mai 1943 („Pfingstangriff“) stürzte das Deckengewölbe des Zentralraumes ein. Der mit einer Jugendstilhaube gekrönte Turmhelm brannte nieder. Brandt: „Bei Kriegsende waren alle fünf evangelischen Altstadtkirchen zerstört.“

Architekt Ludwig Behrens leitete den Wiederaufbau der Lutherkirche von 1946 bis 1949. Erhalten blieben der Altar, der Taufstein mit Bronzehaube und das Rütersche Fresko. Brandt: „Beim Wiederaufbau des Turmhelms begnügte man sich aus Kostengründen mit einem niedrigen Pyramiden-Dach, eine ‘Notlösung’, die bis heute Tag trägt.“ Am 18. März 1950 fand die Wiedereinweihung statt.

In den nächsten Jahren erfolgten weitere Veränderungen: 1954 gab es eine neue Orgel und Kirchenmaler Fritz Mannewitz gestaltete 1956/57 die neuen großen Fenster oberhalb der Queremporen, die immer noch das Erscheinungsbild der Lutherkirche im Inneren mitbestimmen. Im Außenbereich erfolgten ebenfalls Neuerungen, die, nach Meinung von Brandt, nicht immer zum Besten gerieten. „Die denkmalwürdigen Jugendstil-Gitter und -Tore wurden entfernt und verschrottet“, ärgert er sich mit Blick auf den Denkmalschutz, unter dem die Kirche, das Pfarrhaus und der Bogengang seit 1976 stehen. Die letzte Renovierung erfolgte 2006. Dabei wurde unter anderem der ehemalige Konfirmandensaal in eine „Winterkirche“ umgewandelt.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen