Sprache ebnet Weg in die Arbeit

Teilnehmer aus elf Nationen führen im Saal an der Humboldtstraße szenische Collagen zum Thema deutsche Sprache auf.  Vorstellungen sind am 17. und 18. November.
Teilnehmer aus elf Nationen führen im Saal an der Humboldtstraße szenische Collagen zum Thema deutsche Sprache auf. Vorstellungen sind am 17. und 18. November.
Foto: Dietmar Wäsche
Projekt „JobAct“ schult zwölf Teilnehmer aus elf Nationen in Deutsch, auch auf der Theaterbühne. Später absolvieren sie Praktika.

Mitte..  Gott ist schlecht gelaunt. In Bademantel und Puschen steht er auf seinem Podest und überlegt, wie er die Menschen bestrafen kann: Er gibt ihnen die deutsche Grammatik, was auf wenig Freude stößt.

„Sprache sei Dank!“ heißt das Stück, das ein Dutzend Arbeitslose derzeit einstudieren. Sie haben elf verschiedene Nationalitäten, stammen aus Irland, Litauen, Polen, Syrien, Irak, Iran, und nehmen teil an „JobAct“ des Trägers Projektfabrik in Witten, mit dem Ziel, in Arbeit oder Ausbildung zu kommen. Geld kommt vom Jobcenter, das auch die Teilnehmer auswählte.

Maßnahme rund um die Sprachkultur

Die Maßnahme rund um die Sprachkultur begann im Sommer, da bekamen die Frauen und Männer zwischen 20 und 45 Jahren ein Bewerbungstraining. Weil die meisten von ihnen nur schlecht deutsch sprechen, wird ständig geübt. Sprachtrainer sind Holger Wagner und Alexandra Schlösser, die die Teilnehmer begleiten. Das Bühnenstück rund um die Grammatik ist nur ein kleiner Teil; bis Februar folgen dann die Praktika. Kunst kann Menschen freier und selbstsicherer machen, damit sie sich mehr zutrauen“, erklärt die regieführende Theaterpädagogin Merima Horozovic.

Sie hat das Stück als szenische Collagen angelehnt an Monty Pythons Flying Circus. Viele der Requisiten haben die Schauspieler selbst gebaut, dazu tragen sie komische Frisuren. In den Szenen werden die Deutschen und ihre Grammatik aufs Korn genommen, hintersinnig und absurd: „Wir wollen die Grammatik umtauschen“, wendet sich die Sprecherin der Menschen, gespielt von Ema Pilypaite, an Gott (Aneta Pilarska). „Geht nicht“, sagt der, „die ist ja schon gebraucht.“ Ema Pilypaites Mutter ist extra aus Litauen nach Bochum gereist, um ihre Tochter auf der Bühne zu erleben.

Nur zwei der Teilnehmer sind noch unversorgt

Bildungsträger ist der Verein Via Bochum. Sozialpädagogin Martine Panteleon ist bemüht, Praktikumsstellen zu akquirieren. „Ich versuche, die Eigenständigkeit der Teilnehmer zu fördern und unterstütze sie bei der Suche nach Praktika.“

Die meisten haben bereits eine gefunden. So wie die einzige Deutsche im Kreis, Sabine Mehlberg. Sie zog lange Zeit als Straßenmusikerin durch Europa, ist arbeitssuchend und kann in ihrem Metier bleiben. „Ich mache ein Praktikum bei einem Veranstalter und hoffe, dadurch künstlerisch fest Fuß zu fassen.“ Tourevan Mohammad versucht sich als Küchenhilfe. „Ich habe in meiner syrischen Heimat schon in dem Bereich gearbeitet.“

Nur zwei der Teilnehmer sind noch unversorgt: Aneta Pilarska möchte als medizinische Fachangestellte arbeiten. „Meine Mutter ist mein Vorbild als Krankenschwester, ich möchte in ihre Fußstapfen treten.“ Thomas Hannick kommt aus Irland und interessiert sich für Gartenbau.

Zwei kostenlose Aufführungen

Das Stück wird zweimal aufgeführt: Premiere ist am 17. November, zweite Vorstellung am 18. November. Einlass jeweils 19.30 Uhr, Beginn 20 Uhr, im Saal Humboldtstraße 46. Freikarten gibt’s unter www.projektfabrik.org.

Bei „JobAct Sprachkultur“ lernen Teilnehmer die deutsche Sprache in Wort und Schrift.
Wer Praktikumsstellen anbietet, kann sich melden bei Via Bochum, Harpener Feld 14, Tel. 0234-95541-55 (Panteleon).

 
 

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