Senioren löchern Polit-Profis

Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD, stehend) und ihr Fraktionskollege Serdar Yüksel (l.) auf Stippvisite im Seniorenheim Marienstift.
Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD, stehend) und ihr Fraktionskollege Serdar Yüksel (l.) auf Stippvisite im Seniorenheim Marienstift.
Foto: Gero Helm
Beim „politischen Frühschoppen“ im St. Marienstift konfrontieren die Bewohner Landtagspräsidentin Carina Gödecke mit manch unbequemer Frage.

Mitte..  Zweimal haben sie angefragt, und jedes Mal kam eine Absage: Zum Tag der Pflege im Mai kam das St. Marienstift bereits auf die Idee, politische Prominenz ins Seniorenheim an die Humboldtstraße einzuladen, doch Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) hatte keine Zeit. „Bei unserem Sommerfest haben wir es nochmal versucht, doch wieder war ihr Terminkalender zu voll“, erzählt Sabine Timmer vom St. Marienstift. Als schon keiner mehr so recht dran geglaubt hatte, klingelte plötzlich das Telefon: „Düsseldorf war dran“, sagt Timmer. „Und der Termin stand plötzlich ganz schnell fest“.

Hoher Besuch im St. Marienstift: Das gibt’s nicht alle Tage. Entsprechend groß war das Interesse der Bewohner, den Polit-Profis aus dem Landtag mal gehörig auf den Zahn zu fühlen. Neben Carina Gödecke fand auch ihr Fraktionskollege Serdar Yüksel den Weg ins Seniorenheim, das kurzerhand einen „politischen Frühschoppen“ auf die Beine gestellt hatte. Es gab Geschnetzeltes mit Kartoffeln, dazu ein Glas Sekt – und eine überaus launige Gesprächsrunde, bei der die Senioren ihre Sorgen und ihren Unmut kund tun konnten.

Die Heimbewohner haben sich gut auf dem Besuch vorbereitet

In Arbeitsgruppen hatten sich die Bewohner zuvor gründlich auf den Besuch vorbereitet und löcherten die beiden Politiker eine gute Stunde lang auch mit manch unbequemer Frage. Etwa: Was tun die Herrschaften in Düsseldorf eigentlich hier für uns vor Ort? Oder: Warum wird das Land NRW in der Bundespolitik immer benachteiligt? „Zu dieser Frage können Sie gern mal Frau Merkel einladen“, schlug Carina Gödecke diplomatisch vor.

Viele Fragen beschäftigten sich konkret mit der Lebenswelt der älteren Menschen. Das Schlagwort „Ambulant statt stationär“ etwa fasst das Prinzip zusammen, die Senioren so lang wie möglich zu Hause zu versorgen, statt sie eilig in ein Pflegeheim umzusiedeln. „Erst wenn es nicht mehr anders geht, sollen die Menschen in ein Pflegeheim kommen“, sagte Serdar Yüksel. „Beides gehört zusammen.“ Nicht ohne Stolz erzählte er, selber 19 Jahre lang in der Pflege tätig gewesen zu sein.

Im Gegenzug gibt’s eine Einladung nach Düsseldorf

Ein weiterer Stein des Anstoßes: die von vielen Heimbewohnern ungeliebten Doppelzimmer. „Keiner will mit wildfremden Menschen zusammen wohnen“, kritisierte eine Bewohnerin. Serdar Yüksel konnte vom neuen Altenpflegegesetz berichten, das ab dem Jahr 2018 eine feste Quote (80 Prozent Einzelzimmer) vorschreibt. Das St. Marienstift hat bereits seit 2008 komplett auf Einzelzimmer umgerüstet.

Am Ende des Frühschoppens stand eine Einladung nach Düsseldorf: Nach der Landtagswahl im Mai wollen sich die Senioren des St. Marienstifts auf den Weg an den Rhein machen. „Sie sind herzlich eingeladen“, meinte Gödecke, die sich mit ihrem Parteikollegen dann weiter auf den Weg machte. Der nächste Termin wartete ein paar Meter die Königsallee hinauf: im Hospiz St. Hildegard. Noch ein halbes Jahr bis zur Landtagswahl am 14. Mai – und der Wahlkampf nimmt langsam Fahrt auf.

Den Senioren fehlen Bänke in der Innenstadt

Fehlende Bänke in der Innenstadt beklagen die Senioren. „Nirgends kann man sich vernünftig setzen“, meinte ein Bewohner. Auf dem Husemannplatz würden die Bänke im Winter abgebaut. „Und im Bermuda Dreieck wollen die Kneipenwirte gleich Geld haben, wenn man sich setzt.“

Beide Politiker versprachen, dieses Ärgernis an den Seniorenbeirat weiter zu geben.

 
 

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