Repair-Café: Besser als Schrottplat

Dieses vierspurige Tonbandgerät von Ludwig Damm (li.) ist uralt. Aber jetzt funktioniert es wieder.
Dieses vierspurige Tonbandgerät von Ludwig Damm (li.) ist uralt. Aber jetzt funktioniert es wieder.
Foto: Frank Oppitz
Im Repair-Café von ,Alsenwohnzimmer’ und ,Labor’ bringen Techniker und Elektroniker kaputte Flachbild-Fernseher, Stabmixer und Co. auf Vordermann.

Mitte..  Fast wäre der Flachbild-Fernseher von Dieter Fiebing (78) bei einer Internetauktion über den Tisch gegangen oder auf dem Schrottplatz gelandet. Das 800 Euro teure Gerät zeigte zweieinhalb Jahre nach dem Kauf weder Bild noch Ton. „Der Hersteller wollte ein neues Masterboard einbauen“, Materialkosten: 400 Euro. Doch dann rief ein Mann bei Fiebing an, der den Fernseher im Internet gesehen hatte. Er gab ihm einen guten Tipp: das Repair-Café.

Fiebing machte sich von Werne aus auf den Weg in die Räume des Vereins „Labor“ an der Alleestraße. Hier veranstaltete der Nachbarschaftstreff Alsenwohnzimmer dieser Tage gemeinsam mit dem ansässigen Technik-Verein zum siebten Mal das Repair-Café.

Der Zulauf ist enorm: Im Laufe des Tages bringen im Schnitt 50 Leute ihre defekten Geräte vorbei, zehn bis 20 technisch versierte Menschen nehmen sich dieser kostenlos an: prüfen, schrauben, frickeln. „Es geht vor allem darum, dass die Dinge weiterverwendet und eben nicht weggeschmissen werden“, bringt es Justine Kubissa vom Alsenwohnzimmer auf den Punkt. Wünschenswert sei auch ein gewisser Lerneffekt, damit die Leute selbst den Mut aufbrächten, Geräte aufzuschrauben. Die Besucher kämen mit allerlei Dingen um die Ecke. „Einer kam sogar mal mit einem Trockner auf der Sackkarre“, so die 39-Jährige schmunzelnd.

Auch heute lassen sich hier allerlei elektronische Maschinen von innen betrachten: wie die Kaffeemaschine – der Klassiker –, ein schlichter Stabmixer, dessen Dichtung im Eimer ist, ein Mikrofon mit Wackelkontakt oder ein Vier-Spur-Tonbandgerät. „Ich habe das Gerät 15 oder 20 Jahre nicht mehr benutzt. Jetzt wollte ich die alten Bänder mal wieder abspielen, zum Beispiel Otto-Waalkes-Platten und Jazz“, berichtet Ludwig Damm (64). Was der MP3-gewöhnte Mensch mit großen Augen kaum glauben kann, ist für Damm „Nostalgie“. Elektrotechnik-Student Matthias Drossel (26) musste an diesem alten Schätzchen nicht lange schrauben: „Das war jetzt einfach. Die Riemen haben sich aufgelöst und müssen ersetzt werden“, erklärt er.

Auch an Dieter Fiebings Fernseher hakt es, stellt Nicolas Reinecke (29) fest, der seit Kindertagen gerne bastelt. „Ich habe in der Grundschule damit angefangen. Damals habe ich alte Fernseher aufgesammelt, die am Straßenrand lagen. Ich habe dann versucht, die Geräte zu reparieren, weil ich von den Eltern keinen Fernseher bekommen habe“, schildert Reinecke. Fiebings Flachbild-Fernseher zeigt nach dem Besuch im Repair-Café das Bild wieder an. Ton liefert zu Hause vorerst die angeschlossene Stereoanlage. Die Seriennummer des defekten Bauteils nimmt Fiebing mit, um es zu bestellen – und dann ein zweites Mal ins Repair-Café zu kommen.

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