Neue Initiative in Gerthe will Zechen-Gebäude erhalten

Dem Verwaltungsgebäude der ehemaligen Zeche Lothringen droht der Abriss. Dagegen will sich die neue Initiative zur Wehr setzen.
Dem Verwaltungsgebäude der ehemaligen Zeche Lothringen droht der Abriss. Dagegen will sich die neue Initiative zur Wehr setzen.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Bürger formieren sich, um die ehemalige Lothringen-Verwaltung zu retten. Ihr droht der Abriss.Auf dem Weg dorthin gibt es aber einige Hürden zu überwinden.

Gerthe..  „Wir wollen eine Gerther Initiative zum Erhalt des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Zeche Lothringen gründen“: Diesen Ausgangspunkt hatte ein Informationsabend, zu dem Rainer Gans (historisch interessierter Bürger), Jannika Haupt (SPD Gerthe), Ilse Kivelitz (Kulturrat Gerthe) und Werner Nettler (Bergmannskameradschaftsverein Gerthe) in den Kulturrat einluden. Knapp 40 Interessierte kamen und informierten sich rund um das in der Grundsubstanz gründerzeitliche Gebäude. Die Diskussion entwickelte sich dann breiter: Sie thematisierte Gerthe auch als Standort für Gewerbe und Industrie mit unterschiedlichen Interessen.

Identität stiftendes Gebäude

„Wir wollen hier eine starke Phalanx gegen den Abriss bilden“, erklärte Jannika Haupt zu Beginn. Sich selbst sah die neue Vorsitzende des SPD-Ortsvereins als Vertreterin zahlreicher Bürger im Stadtteil, denen der Erhalt als Identität stiftendes Gebäude wichtig ist.

Ein informativer und liebevoll gestalteter Vortrag zur Geschichte des Gebäudes von Rainer und Ulrich Gans unterstrich diese Grundrichtung. Zentrale Aussage: Das Gebäude ist erhaltenswert, weil es durch seine Bauweise (gemauerte Ziegel) und Farbgebung mit Jugendstilelementen (rot und gelb) ein Ensemble mit den benachbarten ehemaligen Betriebsgebäuden der Zeche (Magazin und Maschinenhaus) bildet. Diese stehen unter Denkmalschutz und erhielten eine neue Nutzung.

„Das wollen wir auch für das Verwaltungsgebäude erreichen. In welcher Form auch immer“, erklärte Jannika Haupt, die dafür viel Beifall bekam. Sie hofft auch auf große Zustimmung aus der Gerther Bevölkerung.

Allerdings stellen sich einige Hürden in den Weg, die auch am Abend zur Sprache kamen. Etwa der Denkmalschutz: „Das Gebäude ist mit Sicherheit denkmalwürdig, kann aber wegen der mehrfachen Umbauten des Hauses über die Jahrzehnte nicht an sich unter Denkmalschutz gestellt werden. Das wurde schon Ende der 90er Jahre geprüft“, erklärte der zuständige SPD-Stadtrat Hans Hanke. Er sympathisierte mit dem Erhalt, machte jedoch deutlich: „Wichtig ist nun eine Begehung, die entweder die Fantasie anregt, mehr zu tun, oder ernüchtert veranlasst, diese Pläne zu begraben.“

Aldi zeigt wohl Interesse

Der Eigentümer (nicht eingeladen): Seit den 90er Jahren ist das Gebäude in Besitz der heutigen Wirtschaftsförderung Bochum Holding GmbH. Diese will das Gebäude abreißen. Sie löste damit die Gründung der Initiative aus. CDU-Ratsherr Roland Mitschke: „Schon die EGR (Entwicklungsgesellschaft Ruhr) als Vorgängerin hat versucht, das Gebäude zu erhalten und eine neue Nutzung zu finden.“ Das sei mehrfach gescheitert. Er sehe jedoch die Möglichkeit, im Rahmen eines Entwicklungskonzeptes für den gesamten Stadtteil hier einen Neuanfang zu starten. Abriss jedoch nicht ausgeschlossen.

Der Einzelhandel und die Industrie: Rewe-Händler André Kaeseler erklärte: „Aldi möchte den heutigen Standort auf dem Zechengelände verlassen und interessiert sich für den Standort Verwaltungsgebäude.“ Infolgedessen wolle er für die Erweiterung seines Geschäftes den Parkplatz von Aldi kaufen. Das Unternehmen Entex übernehme in dem Zuge die restlichen Flächen. Die Entex-Miteigentümer Julia und Harald Rust, die ebenfalls anwesend waren, bestätigten das: „Wir wollen damit für unsere 130 Mitarbeiter den Bestand des Unternehmens am Standort erhalten.“ Seit etwa drei Jahren werde schon darüber zwischen Politik, Verwaltung und Unternehmen verhandelt.

Idee: Fassade erhalten, Rest neu

Die am Ende des Abends gegründete Initiative will nun neue Ideen für das Haus entwickeln und dabei möglichst viele Interessen unter einen Hut bekommen. Ein Diskussionsbeitrag etwa zielte in die Richtung, die Fassade zu erhalten und den Rest neu zu bauen.

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