Neue Chance für Flohmarktkleider

Anette Wolter  empfängt Kunden in ihrem Atelier, das zugleich ihre Wohnung ist, Die Kleidung hatte sie zuvor gebraucht gekauft und anschließend umgeschneidert und neu designt
Anette Wolter empfängt Kunden in ihrem Atelier, das zugleich ihre Wohnung ist, Die Kleidung hatte sie zuvor gebraucht gekauft und anschließend umgeschneidert und neu designt
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Ser
Die gebürtige Bochumerin Annette Wolter haucht alten Kleidungsstücken neues Leben ein. Label „belle! ahoi“ begeistert Frauen für farbenfrohe Upcyling-Mode

Mitte. Vermutlich hat jede Frau mindestens ein Kleidungsstück im Schrank, das sie nicht mehr trägt. Zu groß, zu klein, zu langweilig – die Gründe für ihr Schattendasein sind vielfältig. Doch auch hier gilt: Totgesagte leben länger. Zumindest wenn die Besitzerin des abgehangenen Kleidungsstücks den Weg in Annette Wolters Modeatelier findet. Seit 2012 arbeitet die 47-jährige Grafikerin unter dem Label „belle! ahoi“ als Näherin, Modedesignerin und Geschäftsfrau. „Das Label vereint alles, was ich gerne tue“, sagt sie.

Das Prinzip ihrer Kreationen ist im Grunde schnell erklärt, die Ergebnisse zweifelsohne einzigartig. Annette Wolter näht aus alten Sachen neue Unikate. „Am Anfang habe ich Stulpen an Hosen genäht“, schildert sie die ersten Schritte. Heute verbindet Wolter Stoffe, Farben und Schnitte wie ein großes Abenteuer mit vielen Überraschungen. Sie setzt Borten, sucht Knöpfe und präsentiert eine farbenfrohe Upcycling-Mode, die Lust auf Wagnisse weckt.

Kleidungsstücke mit Renovierungsbedarf findet Wolter häufig auf Flohmärkten, die sie liebend gern besucht. Oder die Kundinnen bringen ihr eben eigene alte Sachen aus dem Kleiderschrank. „Ich möchte ungeliebten Dingen neues Leben einhauchen, deswegen heißt das Motto des Labels auch: frische Brise“, erläutert die Bochumerin.

Außer ihrer charmanten Geschäftsidee bietet Wolter in ihrem Modeatelier an der Franzstraße, das Teil ihrer Wohnung ist, eine höchst persönliche Atmosphäre zum Einkauf.

Am ersten Montag im Monat lädt sie am Abend ab 18 Uhr zum „fashion monday“ ein. Während drei befreundete Herren – Christian Müller, Christian Gärtner und Ralf Eichenauer – mit zwei Gitarren, Percussion und Gesang einen geschmeidigen Soundtrack liefern, stöbert eine beachtliche Anzahl Damen durch das Modeatelier und inspiziert die üppig gefüllten Kleiderstangen. Annette Wolter schenkt Sekt aus. Das lässt frau sich gern gefallen.

Die meisten Damen sind in einem Alter, in dem es darum geht, sich individuell auszudrücken statt einer diktierten Mode hinterher zu hecheln. „Das ist etwas Besonderes hier. Ich finde es schön, wenn Leute neue Ideen haben und der Ansatz, aus alt mach neu, ist interessant“, sagt Georgianna Chia-Kleine (44). Neben den reizenden Kreationen von Annette Wolter finden die Besucher heute hier weitere Design-Produkte, unter anderen feine Tischwäsche aus der Provence und hübsche Taschen des Labels „frau franke“ aus Berlin und aus Mühlheim von „beatfabric“. Allesamt sind mehr als einen Blick wert.

 
 

EURE FAVORITEN