Mit Glückshormonen zum Unterricht

Wicho Herrmann
Hellwach in die erste Stunde: Der Frühsport setzt bei den Schülern Glückshormone frei. Foto: Hänisch
Hellwach in die erste Stunde: Der Frühsport setzt bei den Schülern Glückshormone frei. Foto: Hänisch
Foto: Haenisch WAZ
Medizinerin Ulla Spitzer möchte Frühsport für Schüler einführen. Versuche an der Werner-von-Siemens-Schule werden von der AOK unterstützt

Harpen.  „Der morgendliche Sport fördert die schulische Konzentrationsfähigkeit“, erklärt Medizinstudentin Ulla Spitzer. An eigenen Studien sowie mit Hilfe von Daten aus anderen Untersuchungen hat die 26-Jährige das schon bewiesen. Sie konnte dabei aufzeigen, dass Übergewicht, Verhaltensauffälligkeiten, schlechte Schulnoten und Bewegungsmangel im Unterricht deutlich verringert werden können, wenn die Schüler sich am Morgen zuerst bewegen. „Diese vier Fliegen lassen sich Weise mit einer Klappe schlagen,“ so Spitzer weiter. „Die Schüler kommen körperlich ausgelastet sowie geistig hellwach in den Unterricht.“

Spitzer hat dafür einen wissenschaftlichen Grund: Nach 25 Minuten leichter Bewegung ist die Aminosäure Tryptophan vermehrt im Blut vorzufinden. Diese unterstützt den Aufbau von „Serotonin“ (besser bekannt als Glückshormon) im Gehirn und fördert die Konzentrationsfähigkeit.

Die Studentin ist seit März jeweils dienstags und donnerstags an der Werner-von-Siemens-Schule zu Gast. Ihre Frage: „Wie lässt sich dieses Wissen in den Schulalltag umsetzen?“ Die 54 Schüler der Klassen 5a bis 5c sind ihre „Versuchskaninchen“. Die beiden Klassenlehrerinnen Barbara Salewski und Inga Tiemann unterstützen sie dabei.

Dauerlauf ist die Lösung

Erste Erkenntnisse gibt es schon. Die Sportart muss im Freien ausgeübt werden, weil die Turnhalle nicht ständig nutzbar ist. Hinzu kommt: Alle 400 Schüler der Schule passen nicht zusammen hinein. „Der Dauerlauf ist die Lösung“, erklärt Tiemann. Schuhe an – und los geht’s! Nur: Nicht alle Schüler haben geeignetes Schuhwerk.

Die AOK Nordwest half aus. „Wir erhielten die Anfrage, ein Laufprojekt an der WvS mit Schuhen zu unterstützen“, erinnert sich Jürgen Schweppe, der Bochumer Niederlassungsleiter der AOK.

Bis zur Aufnahme des regelmäßigen morgendlichen Sportunterrichts in der Unterrichtsordnung des Landes ist es jedoch noch weit. Daran Schuld sind auch Alltagsschwächen des Schulsystems. Spitzer erwähnt besonders eine: „Was machen die Schüler mit ihrer Kleidung, wenn es morgens regnet?“

Für Spitzer ist klar: „Es muss eine Überdachung des Schulhofes her.“ Angesichts der Leere der Stadt- und Landeskasse müssten da allerdings wieder einige Sponsoren einspringen.