Markt zieht Kunstliebhaber an

Der zweitägige Kunstmarkt im Atelier Gölzenleuchter zog zahlreicheBesucher nach Gerthe.
Der zweitägige Kunstmarkt im Atelier Gölzenleuchter zog zahlreicheBesucher nach Gerthe.
Foto: Ingo Otto
Gölzenleuchter stellt Werke verstorbener Maler und Grafiker aus. Kurt Janitzki zeichnete Gesichter von Bergleuten im Schacht.

Gerthe..  „Wenn man ihm ins Gesicht guckt, sieht man, dass er malocht, wie man im Ruhrpott so schön sagt“, sagt Horst Dieter Gölzenleuchter, lacht und zeigt auf ein Bild von Kurt Janitzki. Eine Ruhrgebietsszenerie sieht man da, Arbeitergesichter mit Kreide und Bleistift gezeichnet.

Die damalige Arbeitswelt - nicht idealisiert. „Der Künstler ist mit den Bergleuten unter Tage gefahren und hat dort gezeichnet“, erklärt Gölzenleuchter. Seit über 30 Jahren stellt der Bochumer Maler und Grafiker im jährlichen Kunstmarkt seine Werke und die anderer Künstler aus.

,,Wir haben gelesen, dass Bilder zum Thema Bergbau gezeigt werden, das interessiert uns“, sagt Erika Meier, die gemeinsam mit ihrem Mann Arndt Meier gekommen ist. ,,Mein Vater hat selbst im Bergbau gearbeitet, wir lassen uns überraschen“. Drei bereits verstorbene Künstler bilden den Schwerpunkt der Ausstellung: Kurt Janitzki, Kuno Gonschior und Peter Sorge. „Ich war mit ihnen befreundet und zeige Werke, die noch nie ausgestellt wurden“, so Gölzenleuchter. Was Sorge und Gonschior beträfe, handele es sich um sehr frühe Arbeiten, Janitzkis Arbeiten seien ein repräsentativer Querschnitt seines Lebenswerkes.

Heike Möller hat schnell den Holzschnitt für sich entdeckt. „Ich habe mir ein Holzschnittbuch gekauft, das reizt mich sehr“, sagt die Besucherin. Aus der eigenen Schulzeit kenne sie den Linoldruck, findet aber: „Holzdruck ist noch lebendiger“.

Auch Besucherin Angela Podzuweit schaut sich bei Atelieratmosphäre interessiert um. „Ich habe einen Druck von Janitzki erworben.“ Dass die Ausstellung so viele Stile vereine, komme ihr entgegen.

Doch der Kunstmarkt vereint nicht nur Malerei, Grafik, Skulptur und Fotografie - auch den Bogen vom Ruhrgebiet bis nach Ghana schlägt sie. Valentina Gölzenleuchter verkauft im Rahmen des Haskey-Projekts, welches Kinder mit geistiger Behinderung in Ghana unterstützt, afrikanisches Kunstwerk. „Typisch für Ghana sind zum Beispiel bunte Stoffe und Schmuck aus Holz“, erklärt sie.

Ihr Mann kommt selbst aus Ghana, über die Veranstaltung Ruhr International sei die Zusammenarbeit mit dem Haskey-Projekt zustande gekommen. „Die Vorstellung, dass es sich bei Behinderungen um eine Strafe übernatürlicher Kräfte handelt, ist weit verbreitet“, so Valentina Gölzenleuchter. Um so schöner sei es, mit Kunst einen Teil für die Aufklärung zu leisten.

Fleißige Unterstützung beim Verkauf von Schlüsselanhängern und Ketten leistet Collin Gyamfi, Gölzenleuchters Enkel. Der kleine Nachwuchskünstler hat sogar einen eigenen Arbeitsplatz in Opas Werkstatt. „Hier zeichne ich, bastele Klappkarten und arbeite mit Blattgold“, sagt der Siebenjährige stolz und präsentiert einen kleinen Tisch voller Zeichnungen. Ob er einmal in die Fußstapfen seines Großvaters treten und Künstler wird, das weiß er noch nicht.

Das Haskey-Projekt Ghana

Viele Eltern in Ghana empfinden ihr behindertes Kind als Schande. Oft erreichen Kinder das fünfte Lebensjahr wegen mangelnder Versorgung nicht.
Das Projekt Haskey („Licht“) will behinderten Kindern ein menschenwürdiges Leben ermöglichen und unterstützt betroffene Eltern vor Ort.

Wesentliche Arbeit findet zur Zeit in einer Kindertagesstätte statt, die Kinder ihren Bedürfnissen entsprechend betreut.

 
 

EURE FAVORITEN