Künstlerisch den Urlaub genießen

Hang zur Kunst: Sebastian Grütz und Katja Siewek bieten mit ihrem jungen Unternehmen „artistravel“ Mal- und Kreativreisen an.
Hang zur Kunst: Sebastian Grütz und Katja Siewek bieten mit ihrem jungen Unternehmen „artistravel“ Mal- und Kreativreisen an.
Foto: WAZ FotoPool
Das Unternehmen „artistravel“ hat sich auf Kreativreisen spezialisiert.Malerei, Fotografie, Skulptur und Zeichnung in 250 Kursen innerhalb Europas

Gerthe. Zwei, die den Mut hatten, ihre Karrieren an den Nagel zu hängen, um noch einmal ganz neu zu starten, sind Sebastian Grütz (49) und Katja Siwek (41). Heute führen sie mit wachsendem Erfolg ein kleines Familienunternehmen mit Sitz in der ehemaligen Gerther Zeche Lothringen, „artistravel“. Als einziger deutscher Reiseveranstalter hat sich artistravel auf Kreativurlaub spezialisiert.

Grütz war 20 Jahre lang erfolgreich tätig für Aral/BP – auch im Ausland, gehörte zum Schluss dem Vorstand an. „Irgendwann fand ich’s nur noch langweilig“, sagt er. Doch ohne Schwimmweste sprang er nicht ins kalte Wasser: „Ich wollte in einem schmalen Segment Marktführer werden.“ Grütz kennt sich aus, hatte in jungen Jahren bereits eine eigene Werbeagentur.

Katja Siwek war auch beim Mineralölkonzern beschäftigt. Acht Jahre lang hatte sie aber keinen Kontakt mehr zu ihrem Kollegen Grütz. Sie erinnert sich: „Zum Geburtstag fuhr ich mit Freunden gerade auf einer Achterbahn, als Sebastian sich meldete.“ Der hatte schon immer eine hohe Affinität zur Malerei. Im Büro auf Lothringen zeugen zahlreiche große Gemälde davon.

Katja Siwek ist für Kursplanung und die Betreuung der Dozenten zuständig. Sebastian Grütz kümmert sich um den Vertrieb und das Marketing und versucht, während der Saison so viele Kurse wie möglich selbst zu besuchen. „Was an Malreisen bislang angeboten wurde, war von sehr schwankender Qualität. Die Branche brauchte einen Leuchtturm.“

Und der sollte das Gerther Unternehmen werden. 2009 gegründet, wurde es ein Jahr später bereits mit dem städtischen Senkrechtstarter-Preis (Platz 2) ausgezeichnet. Dazwischen lag ein Dauer-Casting: Gesucht wurden zunächst Maler. Nicht jeder Künstler eignet sich für Kunstreisen. „Seither bin ich viel unterwegs, nehme den Markt unter die Lupe“, sagt Katja Siwek. Später kamen die Sparten Fotografie, Skulptur und Zeichnung hinzu. Heute sind es 250 Kreativkurse mit 50 Dozenten in ganz Europa. Da auch Auslandsaufenthalte nachgefragt sind, arbeitet das Unternehmen mit Kooperationspartnern zusammen.

Die Auswahl der Dozenten ist die Basis dafür, dass die Reisen bei den Kunden gut ankommen: „Sie sollten schon einen Namen haben, als Künstler vorzeigbar sein und sich zum Reiseleiter eignen“, zählt sie auf. Gestartet wurde mit 120 Kunden, heute hat sich die Zahl verzehnfacht.

Geht die Rechnung auf beiden Seiten auf, werden Gäste zu Stammkunden; einige wählen ihre Reisen nach bestimmten Dozenten aus, andere nach Technik/Stilrichtung, und der Rest macht’s, wie „normale“ Touristen, abhängig vom Urlaubsziel. Zur Geschäftspolitik gehört, nach einer Reise die Kunden ausführlich zu befragen und um Benotungen aller Details zu bitten. „Im Schnitt kommen wir auf 1,4 bis 1,5“, sagt Sebastian Grütz nicht ohne Stolz.

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