Kleine Wunder hoch zu Ross

Akrobatische Turnübungen zeigen die Kinder der Voltigiergruppe. Pferd Nelly macht gelassen mit.
Akrobatische Turnübungen zeigen die Kinder der Voltigiergruppe. Pferd Nelly macht gelassen mit.
Foto: FUNKE Foto Services
Reittherapie kann helfen, psychische und körperliche Defizite zu lindern. Beim Sommerfest des Reitsportzentrums sammelt Förderverein Spenden.

Kornharpen.  Sobald Sophie auf dem Pferd sitzt, strahlt sie. Stolz beobachtet Mutter Anna Zieba, wie die Vierjährige auf dem Pferderücken durch die Reithalle geführt wird. „Wenn wir hier herkommen, dann sagt Sophie: Wir fahren zum Reiten. Nicht: Wir fahren zur Therapie“, erzählt die 37-Jährige.

Ihre Tochter leidet an einem Gendefekt, der den Muskelaufbau beeinträchtigt. „Seitdem Sophie reitet, macht sie tolle Fortschritte“, sagt Zieba. Ihre Körperhaltung habe sich verbessert, sie sei freudig.

Edgar Gallwas ist froh, Kindern wie Sophie helfen zu können. Der 66-Jährige ist Vorsitzender des Fördervereins im Therapie- und Reitsportzentrum am Kappweg. „Der Förderverein unterstützt hilfebedürftige Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die aufgrund von körperlichen und geistigen Behinderungen mit einer Reittherapie begleitet werden“, erklärt Gallwas. Solche Therapien seien recht teuer und würden von Krankenkassen oft nicht übernommen. „Um denjenigen, die es alleine nicht finanzieren können, die Therapie dennoch zu ermöglichen, sammelt der Förderverein Spenden“, so Gallwas.

Das Sommerfest ist dazu jedes Jahr eine gute Gelegenheit: Bei Bratwurst, Tombola und Kuchenverkauf käme der ein oder andere Euro zusammen. Und das trotz des schlechten Wetters: „Obwohl es regnet, bin ich gekommen“, sagt Besucherin Andrea Voll.

Viele Besucher trotz des schlechten Wetters

Lorena Schenuit (24) ist glücklich über jeden Besucher: „Toll, dass das Sommerfest doch so gut besucht ist.“ Sie ist die Hofbetreiberin, hat pferdegestützte Intervention und Management studiert und steuert somit den therapeutischen Teil bei. „Über das Pferd bekommen wir Zugang zu den Patienten und können zum Beispiel die Koordination, das Gleichgewicht oder das Vertrauen schulen.“ Dennoch sei die Reittherapie etwas anderes als Ergo- oder Physiotherapie: „Die Kinder sehen es als Reiten“.

Auch Dirk Schillerling, der acht Jahre lang den Hof leitete, weiß um die Vorzüge der Reittherapie: „Pferde sind emphatische Tiere. Sie geben das zurück, was sie erfahren, und begegnen jedem Menschen neutral“.

Handstand auf dem Pferderücken

„Ich liebe die Nähe zum Pferd und das Turnen. Voltigieren ist die Kombination aus beidem“, erklärt Kira Sprenger. Gemeinsam mit anderen Reiterinnen zeigt sie ihr Können auf Voltigierpferd Nelly: Handstände auf dem Pferderücken und akrobatische Turnübungen.

Währenddessen verkauft David Geier Lose. Die Preise sind Spenden von Sponsoren, darunter das Bergbaumuseum, Schauspielhaus und UCI. „Wenn ich die Kinder auf den Pferden sehe, dann freue ich mich“, so Geier. Bettina Geier pflichtet bei: „Nicht alle Eltern können sich heilpädagogisches Reiten leisten. Es ist schön, den Kindern das zu ermöglichen.“

Förderverein setzt sich für Reittherapien ein

Seit 2004 unterstützt der Förderverein körperlich und geistig behinderte Menschen bei der Finanzierung einer Reittherapie. D ie Therapie soll Patienten in ihrer psychosozialen und emotionalen Entwicklung unterstützen. Die rhythmischen Bewegungen sollen eine Verbesserung bei neurologischen und orthopädischen Krankheitsbildern fördern. Nähere Informationen gibt es unter www.foerderverein-trz-bochum.de

 
 

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