Integration wird in Bochum-Hamme herbeigefeiert

Dominik Lenze
Die Stimmung im Begegnungscafé ist super, der Saal brechend voll. Es wird getanzt und gelacht und einander kennengelernt.
Die Stimmung im Begegnungscafé ist super, der Saal brechend voll. Es wird getanzt und gelacht und einander kennengelernt.
Foto: Barbara Zabka
Im Begegnungscafé von „Hamme hilft“ in der Autobahnkirche kommen sich Anwohner und Flüchtlinge näher. 150 fröhliche Gäste sorgen für Partystimmung,

Hamme.  Es hätte so viel schief gehen können: Besucher hätten fern bleiben können, schüchternes Schweigen hätte herrschen können statt ungezwungenem „Meet and Greet“ zwischen Einheimischen und Flüchtlingen. Doch nichts da: 150 Gäste kamen zum ersten Begegnungscafé des Bündnisses „Hamme hilft“ in den Gemeindesaal der Epiphanias-Kirche. Sie tranken gemeinsam türkischen Tee, aßen Baklava und andere orientalische Leckereien, unterhielten sich oder tanzten zur Musik der Band Alma-Sunshine.

Kurzum: die perfekte Situation, um Leute kennen zu lernen, gerade für Neulinge im Stadtteil. Wie zum Beispiel Gabriele Keil: Sie ist neu in Hamme und positiv überrascht, dass an diesem Tag so viel los ist an der Autobahnkirche. Die Idee, Flüchtlinge und Nachbarschaft an einen Tisch zu bringen, findet sie richtig gut. Denn: „Nur wenn ich die Menschen kennen lerne, kann ich auch Antworten auf meine Fragen finden.“

Im August 2015 gegründet

Die Grundsteine für diesen Abend wurden schon vor einiger Zeit gelegt: im August vergangenen Jahres, als sich das Bündnis „Hamme hilft“ zusammen geschlossen hat. Es begann mit einem Willkommensfest in der Hammer Herz-Jesu-Gemeinde. Kurz darauf gab es ein erstes Netzwerk-Treffen mit den örtlichen Kirchengemeinde, Initiativen wie „HaRiHo – die Stadtteilpartner“ und der Hammer Runde, Politikern, Sozialarbeitern und vielen Privatleuten, die sich einbringen wollten.

So in etwa setzt sich das Bündnis auch heute zusammen: aus den vier Hammer Kirchengemeinden, HaRiHo und ehrenamtlichen Helfern aus dem Stadtteil. Feste Ämter oder Hierarchien gibt es nicht. Michaelda Wasko, Helferin der ersten Stunde, sieht das als Vorteil: „Der ganze Verwaltungskram fällt weg, wir können viel unbürokratischer arbeiten.“ Man hilft sich wo man kann, trifft sich für besondere Projekte und hält – das ist am wichtigsten – die bestehenden Angebote aufrecht.

Als da wären: Sprachunterricht und Hausaufgabenbetreuung, Patenschaften und Freizeitgestaltung, Hilfe bei Umzügen und die Kleiderkammer, das erste Projekt von „Hamme hilft“.

Dort hilft auch die aus Syrien geflüchtete Heba Hamde – als Übersetzerin. Zum Begegnungscafé ist sie, die seit vier Monaten in Deutschland lebt, auch erschienen: „Deutsche, Türken, Araber – alle treffen sich hier. Eine schöne Party“, findet sie.

Einen noch etwas weiteren Weg haben Mohmed, Hibak und Mustafa hinter sich: Sie entkamen der Bürgerkriegshölle Somalias, nun stehen sie sicher in Hamme und schauen der Essener Tanzgruppe „Open your eyes“ zu. Warum sie hier sind? Ganz klar: „Wir freuen uns darauf, mal ein paar Leute kennen zu lernen. Und das klappt hier auch sehr gut“, freut sich Somalierin Hibak.