Gospel als Markenzeichen

Weniger Orgel-, mehr moderne
Weniger Orgel-, mehr moderne
Foto: privat

Riemke.  Der Aufschrei war groß in der evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde als Reaktion auf den WAZ-Bericht über den Masterplan Einzelhandel. Um Riemke als Stadtteilzentrum zu erhalten, soll eine Potenzialfläche vorgehalten werden, auf der irgendwann ein Lebensmittelmarkt ansiedeln könnte.

Weil diese Fläche ausgerechnet die der Gemeinde ist (Kirche und Lutherhaus an der Herner Straße), ließ viele schon tags darauf den Bagger erwarten. Dass es sich dabei lediglich um ein planungsrechtliches Instrument handelt, stimmte in der Gemeinde nicht versöhnlich. „Wir hätten auch jede andere Fläche im Stadtteil auswählen können; überdies liegt es im Ermessen der Kirche als Eigentümer, ob sie verkauft oder nicht“, erklärte dazu auch Eckart Kröck, Leiter des Planungsamtes.

„Die Trinitatis-Kirche hat keine Immobilien zu verkaufen. Wir sind eine äußerst lebhafte Gemeinde, die innovative Projekte fördert“, versichert Pfarrer Christoph Peter Wagner. Überdies habe sie keine Leerstände, die Bestände im Lutherhaus und in Nachbarschaft seien „zu hundert Prozent vermietet“, so Michael Jendrusch vom Presbyterium. 400 Quadratmeter nutzt die Kirche selbst.

Schwerpunkt-Kita fürSprache und Integration

Das Jugendhilfezentrum Nord, die evangelische Frauenhilfe, die Familienbildungsstätte Tabea, das ev. Familienzentrum Hofstede-Riemke sind hier zu Hause, auch einige Wohnungen gehören dazu. Die Trinitatis-Kita leitet Sabine Giesa: „Wir betreuen aktuell 47 Kinder aus 18 Nationen, sind Schwerpunkt-Kita für Sprache und Integration.“

Das Besondere von Trinitatis aber ist wohl die Ausweisung als „Abendkirche“. „Vor fast zehn Jahren stellten wir fest: Die Vormittags-Gottesdienste werden immer leerer. Zu den bis dahin traditionellen gemeindlichen Gottesdiensten erschienen Sonntag für Sonntag dieselben 30 bis maximal 50 Gottesdienstbesucher. Dann boten wir zusätzlich abends einen Gottesdienst an, und die Resonanz war überwältigend“, erinnert sich Pfarrer Wagner. Zwar ebbte das Interesse wieder leicht ab, doch insgesamt hatte die Gemeinde, die gut 5000 Mitglieder stark ist, mit dieser Initiative Erfolg: „Wir haben im Schnitt 100 bis 200 Besucher“.

Fest verankert, gibt es dabei besondere Veranstaltungsreihen etwa mit Predigern, bekannten Gästen (Special-guests-Abende), unter Glaubens-Schwerpunktthemen. Christoph Wagner: „Es geht auch um alltägliche Dinge wie Job, Familie, Lebensziele. Gottesdienste, die dem Lebensgefühl des modernen Menschen entsprechen, haben auch eine Schnittstelle für den Alltag des Lebens.“

Abendkirche – für viele steht sie vorrangig auch für moderne, zeitgenössische Gospelmusik. Diethelm Lattek leitet die Gesangsformation: „Wir sind eine sehr musikalische Gemeinde, aber niemand sollte Rhythmen à la Sister-Act erwarten“, sagt Wagner, und fügt an: „Vielmehr handelt es sich um groovende Gospel- und Worshipmusik.“ Der moderne Stil der Musik mit eigenen und befreundeten Musikern, Solisten, Chören und Gesangsformationen wurde somit zum „Markenzeichen“ der Abendkirche. In jeder Abendkirche treffen die Besucher nicht nur Gemeindeglieder: „Es kommen auch Leute aus den umliegenden Städten, weil sie die Atmosphäre von Worship und Lobpreis am letzten Sonntag im Monat als motivierend und Kräfte mobilisierend zu schätzen wissen“, betont der Pfarrer.

 
 

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