Gangstermusik erfreut „Knackis“ beim Knast-Konzert

Wicho Herrmann
Die Essener Bigband beim Konzert in der Gefängnis-Kapelle.
Die Essener Bigband beim Konzert in der Gefängnis-Kapelle.
Foto: errmann
Häftlinge empfinden Konzert in der Krümmede als willkommene Abwechslung zum Gefängnisalltag. Bigband aus Essen spielt Swing. Auch Lieder, die das jüdische Verbrechersyndikat „kosher Nostra“ aus New York früher mochte. Das Publikum geht begeistert mit und spendet viel Beifall

Vöde.  Ein ungewöhnlicher Ort für Konzert ist die Krümmede. Gleichwohl gibt es sie auch dort immer wieder. Die Bigband der Volkshochschule Essen, „bigbandanas“, war nun in der Kapelle des Gefängnisses zu Gast. Die 17 Musiker boten klassischen Swing aus den 30er bis 50 er Jahren.

Warum sie diese Musik spielten, erklärte Moderator und Saxofonist Ebe Haegele: „Die Mitglieder der ,Kosher Nostra’, ein jüdisches Verbrechersyndikat in New York, das von Schutzgelderpressung Schmuggel und Glücksspiel lebte, hörten das gerne.“ Damit war der Bogen zu den etwa 90 Besuchern gespannt, die das schmunzelnd aufnahmen.

Der Jazzklassiker „Puttin’ On The Ritz“ setzte den Auftakt, gefolgt von „Sing, Sing, Sing“ von Benny Goodman. Das brach gleich das Eis. Die „schweren Jungs“ wippten mit zum Takt der Musik. Nach den Stücken gab es immer wieder kräftigen Beifall.

Mit Antrag für Konzertbesuch bewerben

„Eine schöne Abwechslung“, meinte Mehtin. „Letzte Woche konnten wir uns hierfür mit einem Antrag bewerben.“ Er hatte Glück: Eine gute Stunde weniger, die der Häftling – außer dem täglichen, einstündigen Freigang auf dem Hof – in seiner Zelle verbringen muss. Sängerin Angelika Werner brachte derweil „Blue Moon“ sowie „Over the rainbow“ zum Besten.

„Etwa zwei Mal pro Jahr gibt es hier im Knast einen musikalischen Auftritt“, erklärte zwischenzeitlich Gottfried, der schon länger einsitzt. „Zuletzt war ein Gospelchor aus Kopenhagen zu Gast.“ Die handfeste Musik von „bigbandanas“ fände er jedoch besser. Thomas, der hier als Küster arbeitet, pflichtete ihm bei: „Das macht richtig gute Stimmung.“

Nach einer guten Stunde verabschiedete sich die Band von ihren Zuhörern mit dem Jazzklassiker „Four Brothers“ von Jimmy Giuffre aus dem Jahr 1947. Doch so leicht ging das nicht. Eine Zugabe wollten die Männer in ihren blauen Anstaltskitteln schon haben. Bei dem hebräischem Volkslied „Hava Nagila“, das heute auch als Symbol des Überlebens nach der nationalsozialistischen Verfolgung gilt, ging es noch ein Mal richtig fröhlich rund.

Dann hieß es jedoch: „Antreten zur Rückkehr in den Zellentrakt.“