Flüchtlinge sind hier gern gesehen

Begegnung am Kaffeetisch: Mitglieder der Herz-Jesu-Gemeinde in Hamme veranstalteten ein Willkommensfest für Flüchtlinge.
Begegnung am Kaffeetisch: Mitglieder der Herz-Jesu-Gemeinde in Hamme veranstalteten ein Willkommensfest für Flüchtlinge.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Herz-Jesu-Gemeinde in Hamme veranstaltete ein Willkommensfest für Menschen, die an Dorstener- und Von-der-Recke-Straße untergebracht sind.

Hamme.  Wer flüchten musste, besitzt meist wenig – hat aber sehr viel Zeit. „Viele wissen nicht, wie sie diese Zeit füllen können“, sagt Semiha vom Verein Ronahi, der Erstankömmlinge betreut. Sie warten in Ungewissheit, einige mit Kindern, die Antworten und Spiele verlangen. „Als die Einladung zu diesem Fest kam, waren viele froh, dass etwas los ist.“

Die Herz-Jesu-Gemeinde in Hamme organisierte ein Willkommensfest für Flüchtlinge. Zu Fuß holten die Ehrenamtlichen ihre Gäste von den Unterkünften an der Von der Recke-Straße und von der Dorstener Straße ab. „Erst einmal heißen wir die Menschen willkommen“, sagt Heike Renner, Gemeinderatsmitglied. „Und dann überlegen wir, wie wir das geordnet angehen können.“

„Ich freue mich sehr, mit den Menschen hier sprechen zu können“, sagt Jovan, der in Serbien als Techniker arbeitete. „Ich möchte gerne wissen, was sie denken.“ – „Dass das hier so herzlich ist, macht mich sehr froh“, sagt Milos, der an der Universität studierte, als er aus Serbien floh.

„Ich lerne heute ganz viel“, sagt Probst Michael Ludwig. „Ich höre zu und gebe die Informationen weiter. Was wird gebraucht, wer kann helfen? Über Netzwerke versuche ich, die Menschen zu verbinden.“

Michael Ludwig verwaltet die Facebook-Seite „Bochumer Christen für Flüchtlinge“, welche Menschen vernetzt, die Asylsuchenden helfen wollen.

„Wenn es uns gelingt, den Menschen heute zu zeigen, dass sie hier gern gesehen sind, bin ich glücklich“, sagt Klaus Grzesiak von der Epiphanias-Gemeinde. „Darum habe ich Waffeln gebacken, Kaffee gekocht und Tische aufgestellt. Später werfe ich den Grill an.“ Außerdem hat er seine Enkelkinder Riad (5) und Gjellane (4) mitgebracht. Beide sprechen Deutsch, aber auch fließend Albanisch.

„Das ist natürlich unser Vorteil, dass wir einen internationalen Stadtteil haben“, sagt Michaelda Wasko von der Herz-Jesu-Gemeinde. „Mehrere Eltern unserer Kita Kinder-Oase haben sich sofort bereit erklärt, uns mit Übersetzungen zu helfen.“

Sprechen und verstanden werden gehört zu den Hauptanliegen der Besucher. „Am größten ist die Nachfrage nach Deutschkursen“, sagt Michaelda Wasko. „An zweiter Stelle hören wir dann die Frage, ob und wann wieder so ein Tag angeboten werde.“

„Wir sind sehr glücklich, dass wir zu diesem Fest eingeladen wurden“, sagt ein Mann aus Mazedonien, der mit seiner Frau und drei Kindern nach Deutschland kam. Daheim arbeitete er als Pferdewirt. Seit der Ankunft in Deutschland ist alles offen. Die Familie campiert zurzeit in einer Turnhalle, der älteste Sohn (8) geht bald in die Schule. Einen Platz hat er schon. Aber wo wird die Familie dann wohnen?

Jovan aus Serbien unterbricht das Gespräch und bittet die Übersetzerin um Hilfe. Am Nebentisch steht eine ältere Bochumerin. Das Fahrrad, das er in der vergangenen Woche bekam, war von ihr. Er möchte ihr dafür danken.

Dankbar ist auch Michaelda Wasko, weil das Fest so gut verlaufen ist. „Mal sehen, wie es weitergeht. Wir starten ja erst.“