Eigenheime ohne Kanalanschluss

Das Neubaugebiet an der Odenwaldstraße ist rasch gewachsen, indes fehlt die Erschließung
Das Neubaugebiet an der Odenwaldstraße ist rasch gewachsen, indes fehlt die Erschließung
Foto: Dietmar Wäsche / WAZ Fotopool
Häuslebauer in Hiltrop beklagen, dass bis heute keine Erschließungsarbeiten erfolgt sind. Strom für Innenausbau fehlt. Jetzt ist Lösung in Sicht

Hiltrop. Voller Hoffnung auf ein eigenes Heim haben acht Häuslebauer im letzten Jahr Grundstücke an der Odenwaldstraße in Hiltrop gekauft. Zunächst lief alles glatt; die Baugenehmigung wurde erteilt, Baustart war jetzt im Juni. Inzwischen sind die Doppelhäuser im Rohbau fertig, doch es droht die Stilllegung.

Denn bislang sind keine Tiefbaumaßnahmen erfolgt, um die kleine Neubausiedlung ans öffentliche Kanalnetz anzuschließen. Die Eigentümer wandten sich jetzt in einem Brandbrief an den Vorhabenträger und auch an die Stadt. In der Bezirksvertretung Nord schüttete Torsten Schriewer stellvertretend für seine künftigen Nachbarn sein Herz in der Einwohnerfragestunde aus: „Wir haben bis heute keinen Stromanschluss. Der Generalunternehmer kündigte an, die Arbeiten am 11. November einzustellen. Wir können nicht weiterbauen. Wo sollen wir bleiben?“

Für die Erschließung haben die Häuslebauer einen Kaufpreisteilbetrag von zusammen 160 000 Euro eingezahlt. Die liegen auf einem Konto von Häusser-Bau, dem ursprünglichen Vorhabenträger, der mit der Stadt einen Durchführungsvertrag geschlossen hat. Im April 2012 folgte ein Trägerwechsel auf den Immobilienkaufmann Tomislav Sango. Häusser-Bau bleibt für die Erschließung verantwortlich, das Unternehmen hat bei der Stadt eine Bürgschaft hinterlegt (320 000 Euro für Westerwald- und Odenwaldstraße).

Sango ließ Ingenieuruntersuchungen für die Erschließung anstrengen, bei denen herauskam: Die ursprüngliche Planung, den Kanalanschluss an der Odenwaldstraße durchzuführen, ist wegen den Gefälles im Gelände nicht möglich. Die Erschließung Richtung Norden aber würde erheblich teurer, denn die neue Trasse wäre 127 Meter länger; zudem müssten dort Kontaminationen beseitigt werden. Für Sango finanziell nicht zu stemmen. Zwar hatte die Stadt die Bürgschaft auf 220 000 Euro gesenkt, doch Häusser-Bau mochte sein Konto indes nicht plündern: „Wir brauchen eine Sicherungsleistung für die Unternehmer“, sagt Pressesprecher Ralf Bettges.

Und so wunderten sich die Käufer, dass ihre Häuser zwar wuchsen, aber keinerlei Tiefbauarbeiten zu beobachten waren. Als zuletzt der Innenausbau auf Eis gelegt zu werden drohte, weil kein Stromnetzanschluss vorhanden ist, wandten sie sich hilfesuchend an den Bezirk Nord. Die Stadt könne nicht eingreifen. Christoph Matten (Tiefbauamt): „Der Vorhabenträger ist verpflichtet, für Kanalanschluss, Parken und Bepflanzungen zu sorgen.“ Bezirksbürgermeisterin Susanne Mantesberg kommentierte die Lage mit: „Da ist die Idee, Wohnraum im Norden zu schaffen, gescheitert.“

Tomislav Sango von der Sango Immobilien GmbH erklärte gegenüber der WAZ: „Wir hätten nach der Feststellung der Erschließungsproblematik und damit verbunden höheren Kosten vom Vertrag zurücktreten oder auf Anpassung klagen können.“ Der Geschäftsführer scheute indes den Rechtsstreit mit Häusser-Bau und wollte auch die Erwerber nicht im Regen stehen lassen. „Wir haben versucht, über Monate mit Häusser-Bau zu sprechen und eine Einigung bei den Mehrkosten zu finden.“

Nun zeichnet sich endlich ein Ende ab: In der nächsten Tagen soll schriftlich vereinbart werden, dass die Erschließungsarbeiten erfolgen. Der Kanalbau soll sieben Wochen dauern, im Frühjahr könnte die Fläche gepflastert werden. Das Geld gibt Häusser-Bau Sango gegen Rechnungsvorlage aus der Sicherungsrücklage frei; die Mehrkosten begleichen Seiten.

 
 

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