Die Bühne ist ihr Ding

Janet Kammann (vorn) mit ihren Mitspielern: „Heul doch!“ rufen sie ihr zu.
Janet Kammann (vorn) mit ihren Mitspielern: „Heul doch!“ rufen sie ihr zu.
Foto: FUNKE Foto Services
Dank mehrerer Zuschüsse kann das Claudius-Theater für junge Leute mit Handicap langfristiger planen. Das motiviert die Aktiven ungemein.

Mitte..  Die Bühne ist ihr Ding: Jana Feldmann (26) spielte schon im ersten Stück des Claudius-Theaters mit; sichtlich genießt sie selbst die Wiederholungen bei den Proben. Zwischendurch umarmt sie ihre Mitspieler. „Es macht mir mächtig Spaß, ich mach weiter – garantiert“, beteuert die junge Frau.

Das Claudius-Theater, das aus dem Verein KuKuC (Kunst und Kultur in den Claudius-Höfen) hervorgegangen ist und längst, so dessen Vorsitzender Klaus Wengst, zum Flaggschiff wurde, muss nun nicht länger von Stück zu Stück denken. Dank eines weiteren Zuschusses von „Aktion Mensch“ (5000 Euro), vor allem aber wegen der Zusicherung der Jugendhilfe GmbH „Life“ unter Geschäftsführer Gerd Lichtenberger, für die nächsten drei Jahre das Projekt mit jeweils 5000 Euro zu fördern, kann sich das Theater etablieren.

Lichtenberger betreut seit 20 Jahren Jugendliche in psychosozialer Arbeit. Er war beeindruckt „vom Elan, mit dem sich hier Menschen mit Handicap einbringen“. Für drei Jahre übernimmt nun auch Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) die Schirmherrschaft: „Inklusion ist die Zukunft“, sagt sie.

Theater erwuchs aus Nachbarschaft der Claudius-Höfe

Der Theaterpädagoge Jens Niemeier hat die Truppe aufgebaut. Auch er kann nun fest dabei bleiben: „Es ist schon ein ganz anderen Arbeiten mit dem Wissen, dass das Theater verstetigt ist. Jetzt können wir auf Dingen aufbauen, es kann sich ein festes Ensemble etablieren.“ Langfristig könnten auch fertige Stücke inszeniert werden.

Das Claudius-Theater erwuchs aus der Nachbarschaft der Claudius-Höfe, dem inklusiven Wohnprojekt in der City. Weder im ersten Stück („Raufaser oder Blümchenmuster“) noch im aktuellen „Work-Life-Balla-Balla“ – eine Verballhornung des Begriffs „Work-Life-Balance“ – wird das Thema Inklusion thematisiert. Niemeier: „Jeder von uns hat irgendeine Behinderung; ob Kurzsichtigkeit, Down Syndrom, ob jemand nicht reden kann oder will. Fakt ist: Mit allen lässt sich eine Theaterproduktion aufbauen.“

Grönemeyers „Alkohol“ taucht im Stück auf

18 Leute gehören zum Ensemble, etwa die Hälfte von ihnen waren schon bei „Raufaser“ dabei. Wie der VfL-er Stefan Lilienthal (29) und seine Freundin Jana Feldmann. Sie ist glühender Grönemeyer-Fan; so ist es selbstverständlich, dass ihr Idol im Stück vorkommen muss. Niemeier: „Sie kam diesmal mit zwei Liedvorschlägen. Wir haben uns auf ,Alkohol’ geeinigt.“ Jeder Mitspieler steuerte Ideen und eigene Erfahrungen bei.

In „Work-Life“ dreht es sich in Collagen, Szenen, Liedern und Anekdoten um die abstrakte Reise einer jungen Frau, gerade mit der Schule fertig, auf der Suche nach „dem Leben“. Sie erlebt Situationen von Arbeit als Belastung, als Erfüllung, Leben als Party, als Sinnsuche, Liebe und Hass.

Gespielt wird sie von Janet Kammann (22). Sie ist neu dabei. „Ich wollte Theaterspielen einfach mal ausprobieren. Ich will auf jeden Fall weitermachen.“

Die Premiere am 25. April ist ausverkauft; Restkarten gibt’s für die Vorstellungen am 26. April, 19 Uhr, Claudius-Saal in den Claudiushöfen 10, sowie 28./30. April, Haus der Begegnung, Alsenstr. 19a. Tickets gibt’s im Vorverkauf für 10/5 Euro im Marktcafé, Claudiushöfe 10, Tel. 0234/ 52 00 81 -10 und an der Abendkasse.

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