Bürokratie bremst Bürger aus

Claudia Jaquet und Marion Kensy (v.l.) von InGe wollen die Gerther City mit Spielgeräten aufwerten (mit hochwertigeren als auf dem Bild). Foto:Olaf Ziegler
Claudia Jaquet und Marion Kensy (v.l.) von InGe wollen die Gerther City mit Spielgeräten aufwerten (mit hochwertigeren als auf dem Bild). Foto:Olaf Ziegler
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Werbegemeinschaft Gerthe will Spielgeräte aufstellen. Doch die müssten alle zwei Wochen überprüft werden. Grünflächenamt lehnt bislang ab.

Gerthe. Die Anti-Bürokratie-Ausstellung der Bonhoff-Stiftung, bei der Marion Kensy von InGe mit ihrem beherzten Vorgehen gegen städtische Vorschriften gewürdigt wird, wandert von der VHS in die Stadtbücherei Gerthe. Kensy hatte auf Eigeninitiative leere Blumenkübel, für die die Stadt kein Geld hatte, selbst bepflanzen wollen. Die Bürokratie stand dagegen. Kensy tat’s trotzdem. Umso ironischer mutet an, dass ihr und der Gerther Werbegemeinschaft jetzt neue Steine in den Weg gelegt werden.

Die Interessengemeinschaft Gerthe gehörte zu den Gewinnern beim Stadtteilwettbewerb von Bochum Marketing mit der Idee, durch das Aufstellen von Spielgeräten die Gerther Fußgängerzone zu verschönern. Dazu wurde das Projekt „Schöner leben im Stadtteil“ ins Leben gerufen. 2350 Euro soll InGe für Spielgeräte als Preis erhalten, muss die Hälfte der Summe selbst aufbringen. Marion Kensy: „Wir haben Sponsoren an der Hand, die uns helfen wollen, sobald wir die Geräte kaufen.“ Vorgesehen seien Geräte, die auch Erwachsene nutzen können wie solche, die am Springerplatz stehen und sowohl den Arnoldschülern und den Senioren im Albert-Schmidt-Haus zur Verfügung stehen.

Um die nötigen Genehmigungen von der Stadt zu erhalten, gab es im Februar erste Treffen; mit der Verwaltung suchten Marion Kensy und InGe-Vertreter in der Fußgängerzone nach geeigneten Standorten. Kensy: „Der Tenor war positiv. Es hieß, die Geräte müssten alle zwei Wochen durch das Grünflächenamt kontrolliert werden, doch das werde schon klappen.“

Doch nun heißt es, das Amt wolle die Sicherheitsprüfung an den Spielgeräten nicht übernehmen. „Das heißt, dass wir keine Genehmigung fürs Aufstellen bekommen“, sagt Marion Kensy. Sie fürchtet nun, dass das Preisgeld von Bo-Marketing nicht fließen werde, denn Maßgabe ist, dass das honorierte Projekt noch im laufenden Jahr beginnen muss.

Hilfe suchte sie bei Bezirksbürgermeister Henry Donner, trug ihr Problem in der Bürgersprechstunde vor. Donner erklärt dazu: „Ich bin auf Frau Kensys Seite. Bochum Marketing ist eine Stadttochter, ich saß mit in der Jury. Es kann doch nicht sein, dass die Verwaltung das Engagement von Bürgern verhindert, wir machen uns ja lächerlich.“ Er hat einen Brief an Thorsten Lumma, Leiter des Grünflächenamt, geschrieben und ist zuversichtlich: „Das kriegen wir schon hin.“

Die Verwaltung erklärte auf WAZ-Anfrage, dass sie mit der Werbegemeinschaft wieder verhandeln wolle. Sprecherin Annika Vößing: „Diese sogenannten kurzfristigen Sicht- und Funktionskontrollen der Spielgeräte sind vorgeschrieben. Die kann aber auch ein geschulter Hausmeister oder Ladeninhaber übernehmen. Jährliche Hauptkontrollen muss eine Fachkraft machen.“

 
 

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