Bücherei Gerthe wird 110 Jahre alt

Barbara Pöting, Leiterin der Bücherei Gerthe,
Barbara Pöting, Leiterin der Bücherei Gerthe,
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Bücherei Gerthe besteht seit 110 Jahren. Zu Beginn war sie nur zwei Stunden pro Woche geöffnet. Heute kommen jährlich 45 000 Besucher.

Gerthe. Seit 110 Jahren versorgt die Bücherei Gerthe Leseratten im Bochumer Norden mit Stoff zum Träumen, Fantasieren, Fürchten oder Mitfiebern. Das Jubiläum feiern Leiterin Barbara Pöting und ihre Mitarbeiter ab Mittwoch mit Festakt, Kinderfest und Lesungen.

Mit gerade einmal 267 Bänden und 35 Lesern startete die damalige Volksbibliothek Gerthe bei ihrer Gründung 1905. Heute verzeichnet die Bücherei einen Bestand von über 24 000 Medien und jährlich 45 000 Besucher. Von Anfang an richtete sie sich gleichermaßen an Schüler wie an Bürger. Mehrmals wechselte sie ihren Standort, war aber von Anbeginn meist Teil einer Schule und somit stets sowohl Schul- als auch Stadtteilbücherei.

Wobei Gerthe 1905 noch nicht Teil der Stadt Bochum war, sondern eine Landgemeinde, die zum Amt Harpen gehörte. 1904 beschloss der Gemeinderat die Errichtung einer Volksbibliothek für Gerthe, das sich damals in kürzester Zeit durch die Ansiedlung der Zeche Lothringen von einer beschaulichen Gemeinde mit 894 Einwohnern zu einem Industrieort mit 3164 Bewohnern gewandelt hatte. 600 Euro betrug das Startkapital für die Anschaffung der Bücher, wie Stadtarchivar Andreas Halwer berichtet.

Schließung drohte

Untergebracht war die Bibliothek in einem Raum der evangelischen Schule, System I, so die damalige Bezeichnung. Stöbern konnte man dort aber, wie man es heute gewöhnt ist, nicht. Nur der Bibliothekar hatte direkten Zugang zu den Büchern. Auch die Öffnungszeiten waren gewöhnungsbedürftig: nur zwei Stunden in der Woche. Bereits 1910 zogen die 267 Bände in einen Raum in der neu errichteten Schule an der Heinrichstraße 40, die heutige Hans-Christian-Andersen-Schule. 1928 ging es weiter in eine Schule an der Hegelstraße, 1964 ins Amtshaus Gerthe. Dort konnten nun die Leser selbst durch die Regalreihen wandern und aus den dann 10 000 Bänden wählen. Seit 1977 schließlich ist das Schulzentrum Nord die aktuelle Adresse der Stadtteilbücherei.

Doch 2009 drohte aus finanziellen Gründen plötzlich die Schließung. „Das war zunächst ein Schock“, erinnert sich Pöting. „Aber dann haben wir uns natürlich ins Zeug gelegt und das hat sehr viel positive Energie freigesetzt. Der Zusammenhalt war toll.“

Die Schließung konnte mit vereinten Kräften verhindert werden. Damals gründete sich auch der Förderverein „Erlesen“, der aktuell 50 Mitglieder zählt und die Bücherei mit Geldmitteln, meist für Medien, unterstützt.

Die Bücherei setzt ihre Schwerpunkte auf Leseförderung und Medienkompetenz sowie den Ausbau eines Kooperationsnetzwerkes im Bochumer Norden. So gibt es seit 2004 das Projekt der Vorlesepaten, es bestehen zudem Bildungspartnerschaften mit fünf Bochumer Schulen.

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