Balkone werden zur Bühne

Performance vom Balkon und aus Fenstern: Theater und Musik aus den umliegenden Häusern des Spielplatzes Neustraße gab’s von Stadtverwalter-Verein. Unser Bild zeigt Schauspielerin Sara Hasenbrink in „Wir sind Nachbarn“.
Performance vom Balkon und aus Fenstern: Theater und Musik aus den umliegenden Häusern des Spielplatzes Neustraße gab’s von Stadtverwalter-Verein. Unser Bild zeigt Schauspielerin Sara Hasenbrink in „Wir sind Nachbarn“.
Foto: WAZ

Mitte..  Von einem der Balkons der rückwärtigen Brüderstraße summen, zirpen und gurren drei junge Leute herab; das Vocal-Ensemble „Susannes Wunschliste“ (Lisa Müller, Laura Totenhagen und Frederic Betz) bietet experimentelle Improvisationen; und unten, auf dem Spielplatz Neustraße, genießen Dutzende von Gästen im Schatten der großen Bäume das Konzert von oben.

„Hofklangspiele“ heißt der dritte Teil der Sommerreihe „Höflichkeiten“, mit der der Verein Stadtverwalter den dortigen Spielplatz kulturell beleben will. An diesem Nachmittag ist es mehr als gelungen. Nachbarn, Neugierige und Freunde entspannen bei einem frühen Fiege auf Wippen, Klappstühlen und Bänken vom Still-Leben 2010 auf der A 40.

Die Idee: Die Anwohner des Spielplatzes öffnen sich der Veranstaltung. Und etliche waren tatsächlich bereit, für musikalische, theatralische oder aktionskünstlerische Darbietungen den Protagonisten für diesen Tag ihre Fenster oder Balkone zu überlassen.

„Toll, wie die Nachbarn uns kurzerhand freien Zugang zu ihren Wohnungen gewährten und auch mitmachten“, erklärt Sara Hasenbrink, die mit drei weiteren Akteuren (Anna Pätsch, Andreas Stiel und Stephanie Kotalla) eine Performance eigens für die „Hofklangspiele“ entworfen und einstudiert hat. Dabei geht es um Nachbarschaften, die aus Alltagssituationen erwachsen; symbolisch wurden die Verflechtungen mit Bändern entlang der Fassaden verknüpft. Da bügelt ein Mann auf dem Balkon seine Wäsche, während andernorts eine Frau ihr Haar kämmt und ein Dritter Gartenarbeit betreibt. Nach und nach treten sie in Kontakt zueinander, an Schnüren wie beim Flaschenzug tauschen sie Haushaltsgegenstände aus.

Weniger symbolisch, mehr schmissig und witzig dagegen der – ebenerdige – Beitrag des Theaters „Les Invalides“: Gezeigt werden Auszüge aus dem Stück „Die drei Musketiere“, das am 13. September im Thealozzi Premiere hat. Dazu gehören Fechtszenen, Lieder, Balladen, und die Erkenntnis: Wer Gedichte rezitiert, dem fliegen die Herzen der Frauen zu.

Der „Clap Club“ mit Julia Baß und Konstantin Sippl, zeigt sein Können am Schlagzeug, dies wieder vom Balkon herab.

Das Trio Unruhr schließlich besteht aus drei Rentnern, die ihren Ruhestand für musikalische Rückblicke in die 50er und 60er Jahre nutzen.

„Es ist schon grandios, wie viele Leute gekommen sind“, wundert sich zu Beginn noch Gregor Betz vom Verein Stadtverwalter. Und noch glücklicher wirkt er über das Entgegenkommen der Nachbarn rings um den Spielplatz. „Eine Frau hat ihr jährliches Klassentreffen ausfallen lassen, um bei uns mitzuwirken. Eine andere Nachbarin hat Kuchen gebacken, den wir hier anbieten können. Bei vielen ist eine Begeisterung zu spüren.“

Die nächste „Höflichkeiten“-Aktion auf dem Spielplatz Neustraße gibt’s bereits am 27. Juli, 14-17 Uhr. Es gibt einen Vandalismus-Nachmittag, bei dem Spiele mit Zerstörungscharakter gespielt werden wie Steine -Werfen, Pinkel-Winkel, Flaschen-Krachen, Kippen-Schnippen.

 

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