Aufsätze über die eigene Flucht

Syrer schreiben ihre Fluchterlebnisse im Deutschunterricht auf:  Azeddin Darmach, Omar Alnabulsi, Khaled Al Rifai, Noureddin Almedane, Mohamad Nouh, Barzan Ali (von links).
Syrer schreiben ihre Fluchterlebnisse im Deutschunterricht auf: Azeddin Darmach, Omar Alnabulsi, Khaled Al Rifai, Noureddin Almedane, Mohamad Nouh, Barzan Ali (von links).
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Syrer, die im Stadtteilzentrum Stahlhausen die deutsche Sprache erlernen, schreiben im Unterricht ihre Erlebnisse nieder.

Stahlhausen. Zu Hunderten und Tausenden kommen in diesen Tagen Flüchtlinge zu uns – mit individuellen Erfahrungen, Fähigkeiten, Hoffnungen. Hier erzählen fünf Menschen aus Syrien – Teilnehmer eines Ifak-Deutschkurses im Stadtteilzentrum Q1 – in eigenen deutschen Worten von sich und ihrem Weg nach Deutschland. Die meisten wollen vor allem eines: in Frieden leben können.

„Als Kind wollte ich Maler werden. Aber das durfte ich nicht, denn es war ein brotloser Beruf. Als Jugendlicher fing ich an zu lesen, ich habe viel gelesen – auf Arabisch und Englisch. Seitdem wollte ich englische Literatur studieren. Nach meinem Universitätsabschluss 1973 wurde ich Englischlehrer, 2009 wurde ich pensioniert. Diese Zeit wollte ich in Ruhe verbringen. Mit vier Ärzten und Apothekern in der Familie haben wir in Syrien gutes Geld verdient, aber leider ist dieser blutige Bürgerkrieg in unserem Heimatland ausgebrochen. Nun sind wir wieder Schüler und Schülerinnen in Deutschland. Vielen Dank, Deutschland, für Deine großzügige Gastfreundschaft.“ Darmach Azeddin (67)

Der Weg war gefährlich

„Mein Weg nach Deutschland war gefährlich. Ich bin mit ca. 300 Leuten auf einem kleinen Schiff gefahren. Dabei habe ich mich verletzt. Ich durfte mich nicht bewegen, damit ich nicht zu stark blute. Nach einem Tag kam ein großes Schiff. Eine Krankenschwester sagte, ich müsse sofort in ein Krankenhaus. Nach einem Monat ging meine Flucht nach Deutschland weiter. Meine Wünsche sind: eine Familie, Kinder, und zusammen in Frieden leben.“ Khaled Al Rifai (22)

„Zuerst bin ich von meiner Heimatstadt Derik aus nach Damaskus gereist. Dort blieb ich acht Monate. Dann reiste ich nach Beirut im Libanon, von dort nach Istanbul. Dann reiste ich mit dem Auto nach Bulgarien, wo ich eine Woche blieb. Wir fuhren nach Ungarn, durch Wälder und durch mehrere Flüsse. Einen Tag schlief ich auf der Straße, dann reisten wir nach Österreich. Dort blieb ich drei Tage. Dann kam ich nach Deutschland. Vor Gericht wurde ich gehört und ich bekam den deutschen Pass. In meiner Heimat hatte ich gerade mein Jurastudium begonnen. Ich hoffe, dass ich hier bald weiter studieren kann. Danke, Deutschland.“ Mohamad Nouh (19)

„In Syrien dachte ich, dass der Weg nach Deutschland leicht wäre, wenn man zwei Sachen hat: erstens Geld, zweitens eine Entscheidung. Aber es war anders. Ich habe viel Geld ausgegeben. Trotzdem habe ich schwierige Tage erlebt. Auf dem Weg von der Türkei nach Bulgarien saß ich 35 Stunden mit dreizehn anderen Menschen in einem Lkw. Ohne Essen und Trinken. In Bulgarien fand uns die Polizei und nahm uns in Haft. Wir blieben dort einen Monat. Als wir über Ungarn, Österreich in Deutschland ankamen, stellten wir uns selbst der Polizei. Jetzt habe ich den deutschen Pass und eine eigene Wohnung. Danke, Deutschland.“ Ali Barzan (23)

„Ich kam über Ägypten auf dem Seeweg nach Italien; dann nach Frankreich, Österreich und Deutschland. Ich möchte weiter leben und meine Träume verwirklichen. Und ich wünsche mir eine gute Familie. Ich hoffe, einen guten Job zu finden.“ Noureddin Almedane (25).

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