Aschenputtel kommt in die Jahre

Anne Haas und Hildegard Schneider wetteifern in einer improvisierten Szene um die Radieschen, so wertvoll wie ein Blumenstrauß.Fotos:privat
Anne Haas und Hildegard Schneider wetteifern in einer improvisierten Szene um die Radieschen, so wertvoll wie ein Blumenstrauß.Fotos:privat
Regisseurin Merima Horozovic inszeniert mit Bewohnern des St. Marienstiftsein Theaterstück um alternde Märchenfiguren, nicht nur fürs Stadtteilfest

Mitte..  Helden, Prinzessinnen und Figuren aus Märchen leben – wenn sie nicht gestorben sind – bis heute, sind also alt geworden. Was passiert, wenn ein betagtes Aschenputtel auf einen greisen Hänsel trifft, das wollen Bewohner des St. Marienstifts auf die Bühne bringen.

Das Altenwohnheim im Westend will als Beitrag zum Stadtteilfest am 30. August ein Theaterstück inszenieren; die so neu formierte Gruppe soll überdies fest im Haus installiert werden. Mit Merima Horozovic, Theaterpädagogin, -regisseurin und Schauspielerin, konnte eine engagierte Projektleiterin gefunden werden. „Es macht Spaß. Diese Menschen lieben es, suchen die Herausforderung.“

Die kleine Truppe besteht aus zehn Senioren zwischen Mitte 60 und über 90 Jahren aus dem Marienstift. Hinzu kommt Anne Haas. Die Mittachtzigerin aus Langendreer, die bis vor wenigen Jahren noch berufstätig war, hat sich aus eigenem Antrieb gemeldet, um mitzuspielen. Sie alle werden das - noch namenlose - Stück bis zum Fest am 30. August einstudieren; indes kann an diesem Tag nur ein Auszug gezeigt werden. Für die komplette Inszenierung, über die „Daheim TV“ vom Marienstift eine DVD fertigen wird, sucht Merima Horozovic noch eine Kulisse.

Für das Theater richten Darsteller und Regisseurin den Blick in die Nachbarschaft. „Wir besuchen einige Läden im Umfeld, die die Senioren normalerweise nicht auf ihrem Einkaufszettel haben.“ Darunter der Comicladen „Little Nemo“ und der Fahrradladen „Balance“; letzterer wird – Motto „Pimp’ meinen Rollator“ – die Gehhilfen und Rollstühle der Senioren schrill aufpeppen, etwa mit Hupen, Aufklebern, Bändern und Licht. Mit all’ dem lassen sich die alten Menschen gern aus ihrer Routine holen. „Es gibt 30-Jährige, die wollen nichts mehr. Aber hier sind alle Rampensäue. Ohne Scheu spielen sie drauflos, nutzen Instrumente wie Mundharmonika und Klavier.“

Merima Horozovic versucht, diese Neigungen jedes Einzelnen zu integrieren. Bislang ist die Theatertruppe noch in der Improvisationsphase, über die sie sich dem Stück und seinen Figuren nähert. Erst später treffen gealterte Märchenhelden aufeinander, die die Brüder Grimm nie in eine gemeinsame Geschichte gepackt hatten.

Die Regisseurin macht die Arbeit ehrenamtlich und braucht noch Hilfe; ob Mitspieler, Regieassistenten und in der Logistik, wenn z.B. Rollstühle geschoben werden müssen: 0177-3796013. Geprobt wird montags, 10-30 bis 11.30 Uhr, im Stift, Humboldstr. 46.

 
 

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