Neutrino-Jagd im ewigen Eis

Jürgen Boebers-Süßmann
IceCube Projekt am Südpol: Der Neutrinodetektor im Eis soll kosmische Strahlung ermitteln. Foto P. ‘Berghaus
IceCube Projekt am Südpol: Der Neutrinodetektor im Eis soll kosmische Strahlung ermitteln. Foto P. ‘Berghaus
Foto: WR

Bochum.  Dr. Jens Dreyer, Physiker an der Ruhr-Uni, wird als „Winter Over Experiment Operator“ am Südpol verbringen. Der Bochumer wurde für das Forschungsvorhaben „Ice Cube“ in einem aufwändigen Verfahren unter Bewerbern aus aller Welt ausgewählt.

Tief ins Eis der Antarktis versenkt, registriert das größte Neutrinoexperiment der Welt, Ice Cube, kosmische Elementarteilchen. Über 79 Kabelstränge mit 4.740 Sensoren, die in mit heißem Wasser gebohrten Löchern bis zu 2.500 Meter tief ins Eis versenkt werden, können die Forscher die Herkunft der Neutrinos berechnen.

Dreyer, momentan als Post-Doktorant (= befristet angestellter Mitarbeiter) der RUB-Forschungsabteilung „Plasmas with Complex Interactions“ beschäftigt, hilft, den Detektor dieses Jahr vor Ort zu komplettieren. Mit einem Budget von 295 Millionen Dollar ist Ice Cube das derzeit ehrgeizigste und teuerste internationale Forschungsprojekt am südlichsten Punkt der Erde.

Da sich der Südpol wegen des Packeises auf 3.000 Meter Höhe befindet, zudem Temperaturen bis zu 60 Grad minus, Schneestürme und extrem trockene Luft vorherrschen, ist die Forschungsreise mental und körperlich eine echte Herausforderung. Obligatorisch sind während der Vorbereitung ein Training zur Brandbekämpfung und zur Unfallversorgung. Beim Gesundheitscheck werden vor allem die Zähne gründlich untersucht, denn im Ice Cube gibt es zwar einen Allgemeinmediziner, aber keinen Zahnarzt.

Auch eine psychologische Untersuchung ist notwendig. Denn abgesehen von Polarlichtern herrscht im Winter Tag und Nacht völlige Dunkelheit am Südpol. Auch können Flugzeuge von Februar bis Oktober weder starten noch landen. „Deshalb reisen die Forscher bereits im Sommer hin, um sich mit den Gegebenheiten vertraut machen zu können. Ab Februar gibt es dann kein Zurück mehr“, so der RUB-Physiker.

Die Männer im Forschercamp schlafen in Einzelzimmern, für die Freizeitgestaltung in der Einsamkeit des ewigen Eises stehen Turnhalle, Video- und Bibliothek, Sauna und sogar ein Gewächshaus zur Verfügung.