Neunutzung durch Altenheim, Kunst und Akrobatik

Die leer stehende Kirche St. Antonius in Stahlhausen soll zum Altenheim umgebaut werden. Dabei sollen Turm und Außenmauern erhalten bleiben. Foto: Karl Gatzmanga
Die leer stehende Kirche St. Antonius in Stahlhausen soll zum Altenheim umgebaut werden. Dabei sollen Turm und Außenmauern erhalten bleiben. Foto: Karl Gatzmanga
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Mit Phantasie aber auch mit Geld werden in Bochum entwidmete Kirchen einer neuen Nutzung zugeführt, um den Abriss zu vermeiden. So wird etwa die St. Antonius-Kirche in Stahlhausen zum Altenheim umgebaut.

Bochum. In Bochums ausgedienten Gotteshäusern hocken nicht nur die Tauben im Gebälk, zuweilen geht dort regelrecht die Post ab: Akrobatik statt Hosianna etwa in der St. Marienkirche an der Viktoriastraße, wo die Power-Gruppe Urbanatix das Gebäude sportlich als Zwischenlösung nutzt, bis es dort zum Bau des Musikzentrums kommen mag. Durch interessante Lichtinstallationen machte die Kirche Christ-König am Steinring als Kunstkirche von sich reden.

Und ganz viel Geld nimmt Propst Michael Ludwig jetzt in die Hand, um in Kürze die St. Antonius-Kirche in Stahlhausen zum schmucken Altenheim mit 80 Zimmern zu verwandeln.

Turm soll erhalten bleiben

„Das geht voran“, freut sich der Kirchenmann. „Die Bauanfrage ist positiv beschieden worden, der Bauantrag wird bearbeitet, wir wollen ihn im September einreichen.“ Für das künftige Altenheim werde die Kirche nahe am Springerplatz keineswegs in Trümmer sinken. Der Rettungsplan des Propstes sieht vor, den Turm und die Außenmauern des Kirchenschiffs zu erhalten.

Das, was er noch zu Ostern mit leichter Selbstironie als seine „verrückte Idee“ ansah, hatte mit einer Machbarkeitsstudie begonnen. Die fiel so positiv aus, dass der Propst die Sache weiter verfolgte. Auch finanziell scheint der Plan zu funktionieren. Der Propst: „Ein normales Altenheim kostet acht Millionen Euro.“ Die Lösung für die St. Antonius-Kirche sei teurer, weil sie überwiegend erhalten bleibt.

"Kunstkirche läuft auf Spendenbasis"

Gleich neben der Kirche gehört das alte St. Antonius-Stift der Vergangenheit an, weil das Gebäude laut Propst Vogt marode war. Die Bewohner waren zuvor in das Ex-Gewerkschaftshaus nahe Marienkirche gezogen. Das passte, weil dort zuvor die Senioren des St. Marien-Stifts lebten, bis sie in den Neubau am Marienplatz umziehen konnten.

Mehr Erbauliches als Bauliches bei der Christ-König-Kirche am Steinring, die trotz gewaltiger Proteste das Schicksal ereilte, als „weitere Kirche“ zur anderweitigen Verwendung bereit zu stehen. Die Idee, sie als Kunstkirche zu nutzen, habe sich so gut bewährt, dass man bei diesem Konzept bleiben will. „Die Kunstkirche läuft weiter, auf Spendenbasis“, bemerkt der Propst dazu.

Die Zukunft sakraler Bauten beschäftigt auch den evangelischen Kirchenkreis. In Bochum-Werne soll in wenigen Wochen das Ludwig-Steil-Haus abgerissen werden, in dem sich Chöre, Musiker und Bands für ihre Proben getroffen hatten, schildert Pfarrer Johannes Waschk. Ungeklärt sei die Zukunft der Lutherkirche in Langendreer an der Alte Bahnhofsstraße. Geld für die Sanierung sei nicht in Sicht.

 
 

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