Neues Motto in Gerthe: Nutzen statt nur besitzen

Wer braucht was? Kirsten Strehl, Alexandra Jeik und Martina Houben (von links) planen die „Bibliothek der Dinge“.
Wer braucht was? Kirsten Strehl, Alexandra Jeik und Martina Houben (von links) planen die „Bibliothek der Dinge“.
Foto: FUNKE Foto Services
In Gerthe planen drei Frauen eine „Bibliothek der Dinge“, in der man sich alles mögliche ausleihen kann, was man vielleicht nur einmal benötigt.

Gerthe. Jeder muss mal ein Loch in die Wand bohren, und alle zwei Jahre ist für viele auch ein Campingurlaub drin. Aber braucht es dafür eine eigene Bohrmaschine, die dann den Großteil des Jahres neben Campingkocher und Zelt in der Garage verstaubt?

Alexandra Jeik, Kirsten Strehl und Martina Houben haben eine andere Idee: Die drei Frauen planen eine „Bibliothek der Dinge“, frei nach dem Motto: nutzen statt besitzen. Gebrauchsgegenstände aller Art sollen sich die Gerther dort ausleihen können, es wäre die erste Tauschbörse dieser Art in Bochum. Alexandra Jeik und Kirsten Strehl kommen von der Hochschule Bochum, für das Projekt arbeiten sie mit Martina Houben vom Seniorenbüro Nord zusammen.

Das Stichwort: Shareconomy

„Es gibt Leute, die eine Garage anmieten, weil sie nicht wissen, wohin mit ihrem Kram“, sagt Kirsten Strehl. Die Dinge würden dann nicht benutzt, obgleich andere Leute sie vielleicht gut gebrauchen könnten. „Das kann man vermeiden“, findet die Studentin für nachhaltige Entwicklung. Das Stichwort: Shareconomy. Die Idee, Gebrauchsgüter gemeinschaftlich zu nutzen, wie beispielsweise beim Car-Sharing, hat bislang vor allem in der alternativen Szene Anklang gefunden – bei der „Bibliothek der Dinge“ macht aber auch das Seniorenbüro Nord mit.

„Gerade die Älteren kennen die Idee des Teilens noch von früher“, sagt Martina Houben, Mitarbeiterin des Seniorenbüros. Dazu kommt: Für viele Senioren wäre die geplante Stadtteil-Tauschbörse auch eine Gelegenheit, mit anderen Leuten – auch jüngeren – in Kontakt zu kommen. Dazu kommt: Viele alte Menschen haben über ihr Leben hinweg ein Sammelsurium an Dingen angehäuft, für das sie nun in ihrem Alltag keine Verwendung mehr haben. „Über die ,Bibliothek’ könnten sie weiterhin Zugriff darauf haben, gleichzeitig können aber auch andere Leute davon profitieren“, erklärt Houben.

Alexandra Jeik, Dozentin an der Hochschule Bochum, sieht auch für Jüngere großen Nutzen in der Tauschbörse: Schließlich werde vom Arbeitsmarkt immer mehr Flexibilität gefordert, ein Netzwerk an Sharing-Angeboten sei da für viele passender als ein Umzugswagen voller Dinge.

Bürgerversammlung am 11. August

Was genau die „Bibliothek“ anbieten wird, zu welchen Konditionen und wo genau sie sich befinden soll, das wollen Jeik, Strehl und Houben gemeinsam mit den Bürgern erarbeiten.

Deshalb laden sie am Dienstag, 11. August um 18 Uhr zum Bürgertreff im Kulturrat Gerthe, Lothringer Straße 36c, ein. Auch, ob sich das Reservoir an Nützlichkeiten aus Spenden oder Neuanschaffungen speisen wird – oder ob es die Möglichkeit für öffentliche Fördermittel gibt – soll dann besprochen werden.

 
 

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